Die Verhaftung von Waldemar Wohlfahrt und die Aufhebung des Haftbefehls haben mir drastisch gezeigt, in welch einem gefährlichen Lande ich lebe. Bei uns kann man anscheinend im Handumdrehen zum Opfer eines Verbrechens werden. Nicht so sehr, indem man umgebracht, sondern indem man zum Mörder gemacht wird. Hat man es erst mal soweit gebracht, bereitet es einige Mühe, unserer Justiz zu beweisen, daß man sich zur Tatzeit nicht in Sinsheim am Neckar, sondern bei Tante Gertrud in Cuxhaven aufhielt. So was glauben die einem sehr ungern.

Wie ich unsere Justiz verstehe, ist man vom Moment der Verhaftung an bereits schuldig, und es obliegt dem Angeklagten, das Gericht davon zu überzeugen, daß er kein Verbrecher ist.

Weil man da in recht ungemütliche Lagen geraten kann, ließ ich mich von Kriminalrat Reißbein darüber informieren, was man tun muß, um nicht von der Polizei – und damit auch gleich von der Bildzeitung – zum Mörder gemacht zu werden.

„Da liegt natürlich der Fall anders“, gab er mir Bescheid.

„Es muß jedenfalls nicht unbedingt ein Mord sein?“ fragte ich.

„Keineswegs!“

„Was hat Wohlfahrt falsch gemacht?“ wollte ich wissen.