Wo Fußball hart gespielt wird, taucht in Metaphern und Vergleichen gern Rugby auf – das Spiel, dessen Wege sich vor reichlich hundert Jahren (1863) von denen des Fußballs trennten, als sich die siebzehn Herren der englischen Fußballverbände in London über die Regeln nicht einig werden konnten.

Die Anhänger des an einer der ältesten und vornehmsten englischen Public Schools, eben in Rugby, entwickelten Spiels blieben dabei: Der Ball soll nicht rund sein, sondern eiförmig; er soll nicht in ein Tor geschossen werden, sondern über ein Tor; er darf getragen und nach rückwärts auch mit der Hand geworfen werden; schließlich und vor allem: jedes nicht auf Körperverletzung abzielende Mittel ist recht, um einen Gegner, der den Ball hat, aufzuhalten.

Die Rugby-Regeln erlauben also, im Unterschied zu den Fußball-Regeln, Berühren des Balles und Festhalten des Gegners mit den Händen. Dadurch erscheint Rugby dem Fußballfreund als ein recht rauhes Spiel; andererseits steht fest, daß es dabei viel weniger Verletzungen gibt als beim Fußball.

Dieser sonderbare Widerspruch wird in einer etwas boshaften englischen Definition erklärt. Mein Versuch, sie den ZEIT-Lesern, in der letzten Nummer mitzuteilen, scheiterte daran, daß in England zwar jedes einzelne Spiel der Weltmeisterschaft vortrefflich organisiert war, daß alle übergreifenden Kommunikationen jedoch versagten: Ein so berühmtes Reisebüro wie Cooks vermittelte Zimmer, die niemand haben wollte; eine so zuverlässige Luftfahrtgesellschaft wie BEA verkaufte Flugkarten an mehr Passagiere, als ihre Maschinen fassen konnten; wer mit drei Spielen nicht genug hatte, mußte sich, so gut er eben konnte, einen komplizierten Fahrplan aufstellen, der ihn in sieben Städte vom Süden bis in den äußersten Norden kreuz und quer durch England führte, wobei jede Stadt zweimal berührt werden mußte: zum Spiel und, um die Karte zu kaufen, einen Tag vor dem Spiel; Telephonverbindungen waren Glücksache; Fernschreiber wurden von Damen bedient, die entweder der gerade gebrauchten Sprache oder des Fernschreibens nicht mächtig waren.

So steht in meinem Bericht in der letzten Nummer manches, als dessen Verfasser eine mir unbekannte Fernschreibdame in Birmingham verantwortlich zeichnet. Und es fehlt die Definition, die hier nachgetragen sei, da ich sie, bei aller Boshaftigkeit und Übertreibung, doch für treffend halte: Rugby is a game for hooligans played by gentlemen; soccer is a game for gentlemen played by hooligans – Rugby ist ein Spiel für Rowdys, das von Gentlemen gespielt wird; Fußball ist ein Spiel für Gentlemen, gespielt von Rowdys. Leo