Als König, und zwar als einer der mächtigsten, mußte er mehr als andere auf seine Gesundheit bedacht sein – zumal er sich für ein wirtschaftliches System entschieden hatte, das die Leistungskraft jedes einzelnen im Lande ganz unerbittlich für den Dienst am Staat forderte – an erster Stelle die eigene, die es eben deswegen mit ganz besonderer Umsicht zu erhalten galt.

Und so kam es, daß über den Stand seiner Gesundheit Jahrzehnte lang mit größter Sorgfalt Buch geführt wurde. Noch heute ist das „Tagebuch über die Gesundheit des Königs“ erhalten, das von drei seiner Leibärzte reihum geführt wurde. Wer es liest, kann nur zu der Überzeugung kommen, daß der König eine außergewöhnlich gute Konstitution gehabt haben muß; andernfalls hätte er der Behandlung durch seine Ärzte kaum so lange (er wurde fast 77 Jahre alt) widerstehen können.

In den mehr als sechzig Jahren, über die das Tagebuch Auskunft gibt, bestand die Behandlung im wesentlichen darin, daß man den König zur Ader ließ und ihm Abführmittel und Klistiere gab, was bei ihm oft zu völliger Erschöpfung führte. Die so erschreckend häufigen Abführkuren – monatlich mindestens einmal – waren von geradezu fürchterlicher Wirkung.

Schließlich führte die Therapie, der er seit seiner Jugend unterworfen wurde, dazu, daß der König an chronischer Darmentzündung litt. Dadurch und ja überhaupt schon durch das ständige Abführen nahm der Körper aus den in immer größeren Mengen aufgenommenen Speisen – denn die Behandlung hatte einen krankhaften Heißhunger zur Folge – gar nicht mehr die erforderlichen Nährwerte auf.

Die so entstehende Schwächung wurde noch erhöht durch die häufigen Aderlässe, mit denen alles, was nicht unmittelbar mit der Verdauung zusammenhing – beschleunigter Puls, Fieber, belegte Zunge, Erkältungen – „geheilt“ werden sollte. Nach jeder Blutentnahme fühlte der König sich matt und elend. Er hatte, wie er sagte, „einen leeren Kopf, und es drehte sich mir alles vor den Augen“. Manchmal fiel er in Ohnmacht.

Als er einmal einen Aderlaß verweigerte, gelang ihm das nur, indem er dafür auf der anderen Seite nachgab. Sein Arzt trug ins Gesundheitsbuch ein: „Da ich den König nicht zu einem Aderlaß zu bewegen vermochte, bewilligte er mir wenigstens eine Abführkur.“ Und offensichtlich enttäuscht, fügte er hinzu: „Nachdem der König abgeführt hatte, mußte ich ihn eine Zeitlang in Ruhe lassen.“

Solche Ruhepausen waren selten und nicht von langer Dauer. Denn auch Chirurgen und Zahnärzte waren um die Gesundheit des Königs bemüht. Seine Zähne waren schlecht. Im Alter von 47 Jahren zog man ihm die ganze linke Hälfte der oberen Reihe. Dabei wurde ihm ein Teil des Oberkiefers herausgebrochen, und der Gaumenwurde aufgerissen; Im Gesundheitstagebuch heißt es: „Es hatte sich durch das Zersplittern des Oberkiefers, der mit den Zähnen herausgerissen wurde, am Gaumen ein Loch gebildet, das schließlich vereiterte, und aus dem sich zuweilen eine jauchige Flüssigkeit ergoß, wodurch ein sehr schlechter Mundgeruch entstand...“ Vor allem aber führte auch diese mißglückte Zahnoperation mit ihren häßlichen Folgen zu weiterer Schwächung des Organismus.