Wenn wir es in der politischen Diplomatie je soweit bringen würden wie im Fußballspiel, dann könnte man schon sehr viel getröstet in die Zukunft sehen. Aber das deutsch-französische Spiel, das während der letzten Monate in der diplomatischen Arena zu beobachten war und das vorige Woche mit de Gaulles Besuch in Bonn einen vorläufigen Abschluß fand, gibt solcher Hoffnung keine Nahrung.

Zwar muß man wirklich dankbar sein, daß die frostige Verdrossenheit, die die gegenseitigen Beziehungen eine Zeitlang kennzeichnete, einer liebenswürdigen Bemühtheit Platz gemacht hat. Beunruhigend aber ist das Gefühl, daß in Bonn der Sinn des ganzen Spiels gar nicht verstanden worden ist. Noch nie ist die Diskrepanz zwischen den hochbegabten französischen Spielern und dem arglosen Dilettantismus der deutschen Partner so deutlich geworden.

General de Gaulle hatte doch in der Pressekonferenz vom 4. Februar 1965, in der er seine Deutschlandpolitik in allen Einzelheiten umriß, gesagt: "Für Frankreich läßt sich alles in drei miteinander eng verbundene Punkte zusammenfassen:

1. so handeln, daß Deutschland ein sicheres Element des Fortschritts und des Friedens wird;

2. unter dieser Vorbedingung zu einer Wiedervereinigung beitragen;

3. die Wege einschlagen und den Rahmen wählen, die dies ermöglichen."

So weit seine Vorstellungen zur deutschen Frage. Sein großes Konzept, seine Vision Europas, in die die deutsche Frage eingebettet ist, geht von einer Wiederherstellung des alten geographischen Begriffs Europa aus. Damals in jener Pressekonferenz wiederholte er die berühmte Formel "vom Atlantik bis zum Ural" – in Bonn hieß es diesmal recht lapidar und gegen jeden Widerspruch gefeit: "von einem Ende bis zum anderen Auf ähnlich souveräne Weise tat de Gaulle auch seine Absichten kund, weiterhin gemäß Artikel 5 des Atlantikpaktes Beistand zu leisten: France le dit, et cela suffit –" Frankreich sagt es, und das genügt!