Von Theo Hößlin

Bad Segeberg

Denn Berge müssen wir haben, Hochgedanken, hochgelegene Haltepunkte und Ziele ...“, so zitierte Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Lembke soeben Karl May. Der einzige hochgelegene Felsen Schleswig-Holsteins, der bei Bad Segeberg zutage tritt, war im norddeutschen Fremdenverkehrs-Entwicklungsland der fünfziger Jahre noch weiterhin unbekannt. Erst der dramatisierte Winnetou, 1952 zum erstenmal im Freilichttheater am Segeberger Kalkberg (8000 Plätze) aufgeführt, brachte der Kleinstadt Publicity, während gleichzeitig Karl May und seine Helden Winnetou und Old Shatterhand eine Wiedergeburt ihres Ruhmes erlebten.

„Bis zu dieser Stunde hatte ich den Namen Bad Segeberg noch niemals gehört“, gestand der Bamberger Karl-May-Verleger Joachim Schmid. Der Segeberger Bürgermeister Kasch hatte – den guten Einfall mit den Karl-May-Festspielen gehabt und sich an den Verleger gewandt. Der Verleger hörte von der Absicht und reagierte skeptisch. Die kleine Stadt Rathen in der Sächsischen Schweiz hatte nämlich zwischen 1938 und 1941 „Winnetou“ und „Der Schatz im Silbersee“ mit mäßigem Erfolg ein paarmal gespielt. Von Segebergs Festspielversuch versprach der Verleger sich nichts.

Doch dann ereignete sich so etwas wie ein Provinzwunder: Zu den fünfzehn Winnetou-Vorstellungen im Jahre 1952 kamen 98 400 Besucher nach Segeberg. Nach diesem Start war die Sache gesichert. Die Karl-May-Festspiele sind seitdem jährlich fällig’ – wenn der – Vergleich erlaubt ist – wie die von Oberammergau und Bayreuth.

Was Väter und Großväter als Jungen verschlangen, die abenteuerlichen Geschichten von Indianern und Trappern, das können sie jetzt mit ihren Kindern am Kalkberg in Segeberg wie wirklich erleben. Die Helden ihrer Kindheit haben greifbare Gestalt angenommen.

Karl May schrieb sehe Stoffe bekanntlich in Form von Romanen. Dramatisiert wurde „Winnetou“ in den zwanziger Jahren von einem Bühnenautor, Ludwig Körner mit Namen, der aus den drei dicken Bänden ein „Schauspiel aus dem Indianerleben“ mit dem Titel „Winnetou – der rote Gentleman“ kondensierte.