An Goethe kann man sich bilden, wofern man sich an ihm nicht verwirrt; an der deutschen Literatur kann man sich nicht bilden, nur verwirren. Hugo von Hofmannsthal

Wandern mit Goethe

In Frankfurt am Main brachen vor einigen Tagen vierzehn Männer und sieben Frauen zwischen 25 und 79 Jahren zu einer Wanderung nach Karlsbad in der Tschechoslowakei auf. Die „Stiftung Spazierengehen“ hatte sie zu dieser Unternehmung aus mehreren hundert Bewerbern ausgewählt. Und sie gehen nicht einfach so durch die Gegend – sie wandeln auf Goethes Spuren: von seinem Geburtshaus zu seinem Kurhaus. Ein kleiner Kur-Aufenthalt in der berühmten Bierstadt Pilsen ist eingeplant – „Mir auch, Mädchen, diesen schäumenden Trunk, und den freundlichen Gesundheitsblick“ (Goethe, „An Schwager Kronos“).

Kunst in der DDR

Ungewöhnlich freundlich hat die DDR-Presse über eine Ausstellung berichtet, die zur Zeit im Kreuzgang der Augustiner-Kirche in Gotha (Thüringen) zu besehen ist – ungewöhnlich wegen des Themas der Ausstellung: zeitgenössische religiöse Kunst. Die Greizer Bildhauerin Elly-Viola Nahmmacher zeigt eine größere Anzahl eigener Arbeiten, in denen „die Wirklichkeit Gottes in unserer Erdenwelt sichtbar wird“. So war es zu lesen in einem Land, in dem des russischen Kosmonauten Gagarin Ausspruch, er habe Gott im Weltraum nicht gefunden, den Funktionären sehr gelegen kam.

Nobler Dank

Der Russe Marc Chagall hat sich vor Frankreich verneigt und sich dafür bedankt, daß dieses Land ihm eine freundliche Heimat geboten hat. Chagall lebt seit 1923 in Frankreich. Im Louvre wird demnächst das Geschenk zu sehen sein, das er dem Gastgeber machte: 60 Bilder aus den letzten 35 Jahren, die zum Themenkreis „Die biblische Botschaft“ gehören. Keines von ihnen ist bisher öffentlich ausgestellt worden. Die Bilder, die einen Schätzwert von etwa acht Millionen Mark haben, werden später in einem Chagall-Museum in der Nähe von Nizza ihren endgültigen Platz finden.