Nun war sein hartnäckiger Kampf ums Überleben doch vergebens: DM-Verleger Waldemar Schweitzer mußte Konkurs anmelden. Die Schulden in Höhe von fast vier Millionen Mark machten jeden Rettungsversuch aussichtslos. Leider, muß man hinzufügen – denn schließlich verschwindet damit eine Zeitschrift vom Markt, von der bis zuletzt immerhin eine viertel Million Exemplare verkauft worden sind.

Auch die schärfsten Kritiker der DM müssen zugeben, daß Schweitzer Pionierarbeit geleistet und den Warentest in Deutschland populär gemacht hat. Gewiß ist die DM oft über das Ziel hinausgeschossen, gewiß waren manche Tests mangelhaft und manche Methoden zu beanstanden – aber wo gibt es ein Beispiel dafür, daß der Erfolg einer Zeitschrift sogar zur Gründung eines staatlich finanzierten Konkurrenz-Unternehmens führt? Der clevere Journalist Schweitzer aber wurde zum waghalsigen Unternehmer: Statt die DM zu konsolidieren, steckte er vier Millionen Mark in die verunglückte, Spiegel-Konkurrenz Zeitung und ins Filmgeschäft. Vom Rausch des Erfolges verführt, hatte Schweitzer die Maßstäbe verloren – daran ist er gescheitert, nur daran.

Die Todesstunde der DM sollte also nicht zur Geburtsstunde einer Legende werden. Niemand kann behaupten, "die Industrie" habe einen unbequemen Kritiker zum Schweigen gebracht. Im Gegenteil: erst Millionenprozesse bescherten Schweitzer den großen Aufstieg, brachten die Auflage auf fast 700 000. Der Abstieg begann, als die DM kaum noch Sensationen liefern konnte. Vielleicht hat er – wie andere – das Interesse des Verbrauchers an "Aufklärung durch Tests" überschätzt. dst