Der Versuch, die DDR zu "liberalisieren", birgt für die Bundesrepublik ebenso Risiken wie für die SED das Vorhaben, Westdeutschland zu "sozialisieren". Eine Politik des "Wandels durch Einwirkung" setzt hüben und drüben die Einsicht voraus, daß der andere Staat in absehbarer Zeit nicht aus der Welt zu schaffen ist. Sie fordert Mut und einiges Selbstvertrauen.

Zur Zeit scheint auch der Bundesregierung die Atempause des wiederausgebrochenen Kalten Bürgerkriegs nicht unwillkommen zu sein. Sie sollte genutzt werden, sich besser auf die nächste Offensive vorzubereiten als auf die letzte überraschende Initiative der SED. Denn auch in einer neuen Phase der Entkrampfung wären die starren Dogmen der Bonner Deutschlandpolitik stumpfe Waffen – allenfalls geeignet, die Kommunisten abermals in die Schützengräben des Kalten Krieges zurückzutreiben.