Rainer Hellmann: Amerika auf dem Europamarkt, Schriftenreihe zum Handbuch für Europäische Wirtschaft, Nomos Verlagsgesellschaft, Baden-Baden 1926, 237 Seiten, 28,–Mark.

In den letzten drei Jahren haben amerikanische Unternehmen jährlich etwa 1,2 Milliarden Mark in der Bundesrepublik investiert. Das sind vier Prozent der Gesamtinvestitionen. Lange Zeit war die amerikanische Aktivität in den kapitalarmen westeuropäischen Ländern sehr willkommen. Diese Einstellung weicht aber nun auch in der Bundesrepublik in jüngster Zeit einer zunehmenden kritischen Haltung. Trotz des relativ geringen Anteils der Amerikaner an den Gesamtinvestitionen wird die Aufregung verständlicher, wenn man berücksichtigt, daß sich der Dollarstrom auf einige besonders wichtige und wachstumsstarke Wirtschaftsbereiche konzentriert.

Die lautesten Klagen kommen dabei aus den Bereichen, die zum Teil infolge eigenen Verschuldens wirtschaftlich und technisch zurückgefallen sind und daher nur geringe Abwehrkräfte gegen die amerikanische Konkurrenz besitzen. Sachlichkeit lassen diese Interessentenäußerungen nur allzu häufig vermissen, nationalistische Töne werden in den letzten Jahren dafür um so öfter angestimmt. Man vergißt dabei gerne, daß die oft beträchtlichen Vorteile, die amerikanische Investoren gegenüber ihren europäischen Wettbewerbern beispielsweise auf steuerlichem Gebiet genießen, nach dem Krieg zum Teil absichtlich geschaffen wurden, um das damals bitter benötigte Kapital anzulocken.

Es ist daher wohltuend, die sachliche und statistisch gut fundierte Studie von Rainer Hellmann zur Hand zu nehmen, der Umfang und Bedeutung des amerikanischen Kapitals innerhalb der europäischen Wirtschaftsgemeinschaft so objektiv wie möglich darzustellen versucht. Die wohlabgewogene Gegenüberstellung der Vor- und Nachteile der "Dollarinvasion" und die Analyse der Steuervergünstigungen und anderer Wettbewerbsverzerrungen, des Wechselkursproblems und der Investitionsfinanzierung geben einen guten und durch den sachlichen Ton überzeugenden Überblick über die Problematik des amerikanischen Kapitals in Europa. mj

Börse ohne Geheimnis

Werner Leibacher: Keine Angst vor der Börse, Die Möglichkeiten der Börse zum Nutzen für Jeden, Scherz Verlag, Bern, München, Wien 1966; 224 Seiten, Leinen 19,80 Mark.

Auch im Zeitalter des Volkskapitalismus ist die Börse für die Mehrheit der Bevölkerung immer noch ein Buch mit sieben Siegeln. Der Umgang mit Wertpapieren gilt vielen als Geheimwissenschaft, und Kauf und Verkauf von Aktien an der Börse stehen für sie auf dergleichen Stufe wie der Einsatz beim Roulett. Die Börse kann ihre volkswirtschaftliche Funktion als Kapitalumschlagplatz und -sammelstelle aber nur dann erfüllen, wenn immer breitere Kreise der Bevölkerung bereit sind, den Kauf von Aktien als Sparform und Altersvorsorge zu akzeptieren. Auch für die breitere Streuung von Eigentum an Produktionsmitteln ist die verbreitete Scheu vor der Börse ein starkes Hemmnis. Aufklärung tut also not.