Louis Couperin: "Ausgewählte Werke"; Chapuis (Orgel), Müller (Cembalo), L’Ensemble vocal Roger Blanchard, ein Bläser- und Gambenquintett; Deutsche Grammophon Archiv 198 361, 25,– DM

Mit Louis Couperin, 1626 bis 1661, beginnt eine lange Kette von Komponisten und Instrumentalisten aus einer Familie, die bis 1860 im französischen Musikleben eine bedeutende Rolle spielte. Der ursprünglich als Geiger und Violist Ausgebildete erhielt 1653 die Organistenstelle an St. Gervais de Paris, damals eines der angesehensten Musikämter in Paris, wurde bald darauf am Hofe Ludwigs XIV. ordinaire de la chambre pour le dessus de viole". Aus dieser Zeit des kirchlichen und höfischen Engagements stammen die auf dieser Platte vorgestellten Werke, sie waren bis vor kurzem unbekannt, man fand sie notiert in einem kleinen Handschriftenband: Fugen und liturgische Gebrauchsstücke, Bearbeitungen von Melodien aus den Gregorianischen Choral, in denen im Wechsel mit der Orgel auch ein Chor mitwirkt, dann Ballettmusiken für Kammeraufführungen vor den König. Sie zeigen alle, wie souverän Louis Couperin Melodien erfinden und bearbeiten konnte, die hochentwickelte Kunst beherrschte, Cantus firmi zu verzieren, etwas zu umspielen, lange virtuose Linien zu bilden und sie raffiniert akkordisch zu stützen. Sie zeigen ferner die schon früh spezifisch ausgeprägte Eigenart französischer Orgelmusik, "die Vorliebe für Trompeten-Register und exquisite Klangfarbenmischungen. Michel Chapuis konnte diese charakteristischen Momente auf der 1783 erbauten Orgel in der Priorei von Souvigny besonders deutlich machen; dieses Instrument verfügt über eine solche klar zeichnende französische "Trompette", ein "Cromorne" und eine "Hautbois". Eduard Müller, einer der besten Kenner der barocken Verzierungslehre, und ein Gambenensemble unter August Wenzinger demonstrieren in der Kammer- und Ballettmusik Couperins die Akkuratesse und die Dezenz, die heitere Förmlichkeit und die Distanz dieser Musik.

Heinz Josef Herbort