Am 29. Juli starb im südfranzösischen Vence im Alter von 94 Jahren der große Bühnenreformator Edward Gordon Craig. Er war der Sohn der englischen Schauspielerin Ellen Terry (1931 wurde ihre Korrespondenz mit Shaw herausgegeben), und er war zunächst selber Schauspieler – vor allem als Tragöde in Shakespeare-Stücken hatte er einen Namen. Er war Bühnenbildner und Regisseur, seine szenischen Neuerungen entwickelten sich aus der Opposition gegen den alten Realismus und die zweidimensionale Bühne, Form und Farben wurden, im Gegensatz zum Beispiel zu den Meiningern, dramaturgischer Funktion unterworfen, die Bewegung integriert. Die Amerikanerin Isadora Duncan war die Tänzerin, die ihm wesensverwandt schien. Er arbeitete zusammen mit Otto Brahm, Hugo von Hofmannsthal, Eleonora Duse, Konstantin Stanislawskij; der Lyriker William Butler Yeats hat ihn hymnisch gefeiert. In seinem Buch "Kunst des Theaters" von 1905 verfocht Craig die Eigengesetzlichkeit der Bühne vor allem auch gegen die Literatur. Er gab die Zeitschrift The Mask heraus. Aber zur Vergangenheit wird (zu Recht oder zu Unrecht) zuweilen auch gezählt, wer einmal Geschichte gemacht hat: Der jungen Generation ist Craig kaum mehr ein Begriff. e. t.