H. W., Kiel

Die Dienerinnen der Liebe leben gefährlich. Nicht nur in Frankfurt, wo man ihnen nach dem Leben trachtet, sondern auch in der schleswigholsteinischen Landeshauptstadt Kiel. Hier nämlich carf ihr Liebesdienst mit einem falschen "Fünfziger" honoriert werden. Denn "dies stellt keiner Betrug dar", urteilte das Oberlandesgericht in Scheswig.

Vor vier Jahren hatte ein 33jähriger Kieler aus einem Bierulk heraus einen 50-Mark-Schein viermal curch ein Kopiergerät laufen lassen. Das Papier war falsch – aber ansonsten wirkten die Blüter durchaus echt. Mit seinen falschen Fünfzigern erntete er am Skattisch Beifall und Bewunderung. Aber es blieb ein Ulk.

Nur nicht sehr lange. Denn einige Zeit danach fand die Polizei durch Zufall im Verdeck seines Wagens zwei Exemplare des falschen Fünfzigers. Bei der Untersuchung des Falles stießen die Beamten auf eine Akte: Im Oktober 1962 hatte ein Unbekannter einen solchen Schein einem Kieler Hafenmädchen in die Hand gedrückt. Der Kieler leugnete nicht lange, er war jener Unbekannte.

Im November 1965 verurteilte das Schöffengericht ihn wegen Verbreitung von Falschgeld und wegen Betrugs. Den Betrug sah das Gericht in der Tatsache, daß er die Liebe des Mädchens mit einem falschen Schein erkauft habe. Der Vorsitzende stellte fest: "Wenn Vater Staat aus diesem ältesten aller Gewerbe Steuern ziehe, müsse auch wohl hier der Tatbestand des Betruges erfüllt sein". Der Falschgeldgeber meinte: "Mich ritt damals der Teufel. Ich gab falsches Geld für falsche Liebe." Das Gericht verurteilte ihn zu fünf Monaten Gefängnis.

Wegen Betruges indes wollte der Verteidiger des Angeklagten seinen Mandanten nicht verurteilt sehen. Er legte erfolgreich Revision beim Oberlandesgericht in Schleswig ein. Das Oberlandesgericht stellte kategorisch fest, die Liebesleistung eines Straßenmädchens stelle keinen in Geld zu veranschlagenden Vermögenswert dar. Auch dann nicht, wenn der Staat von den Dienerinnen der Liebe Steuern einziehe.

Das Schöffengericht Kiel mußte sich nun ein zweites Mal mit den schwachen Stunden des Kielers befassen. Diesmal erhielt er vier Monate Gefängnis mit Bewährungsfrist. Und zwar nur für die "Verbreitung von Falschgeld".