James W. Silver: Der Aufstand von Ole Miss. (Aus dem Amerikanischen von Ludwig Renke Harms.) Piper Paperback, München, 238 Seiten, 12,80 DM

Es ist schwer zu entscheiden, was der Gleichberechtigung und Integration der amerikanischen Neger mehr hilft: eine unbeirrbare Gesetzgebung des Bundes und ihre strikte Durchführung oder die Aktionen von einzelnen und Gruppen, die sich überall für die Bürgerrechte und Ebenbürtigkeit der Schwarzen einsetzen.

Wahrscheinlich muß beides zusammenkommen, wenn – wie bei der Zulassung des schwarzen Studenten James H. Meredith an die Universität von Mississippi im Herbst 1962 – der zähe Widerstand der weißen Bevölkerung durchstoßen werden soll.

Der Autor des Buches, Professor Silver, lehrt seit Jahrzehnten an dieser Universität, "Ole Miss" genannt. Und als Historiker und Soziologe verfolgt er mit großem Gespür für Zusammenhänge zurück, wie die in diesem Staat besonders ausgeprägte "geschlossene Gesellschaft" entstehen konnte, und er zeigt dann auf, wie sie sich heute darstellt: von Gott gewollte Suprematie der Weißen, biologische Minderwertigkeit der Neger und strikte Rassentrennung. Wer daran rührt, wird – wie im Buch detailliert gezeigt – beschossen, verprügelt und bedroht, wie die bei der Immatrikulation von Meredith durch Kennedy eingesetzten Bundessoldaten. Oder, wer als einzelner sich gegen den orthodoxen Kodex des Südens, gegen überkommene Tabus wendet, wie Silver selbst, wird von der einheimischen Presse mit Lügen belegt, von einer korrupten Verwaltung und Gerichtsbarkeit schikaniert, in seinem Beruf behindert und isoliert.

Der Weg, den Meredith, Martin Luther King und all die anderen zusammen mit den obersten Bundesbehörden noch gehen müssen, wird sehr lang und unendlich schwierig sein. Silvers Buch deutet es an. Aber es zeigt auch, daß man gewillt ist, auf diesem Weg zu bleiben, die geschlossene Gesellschaft zu überwinden und den Grundprinzipien der amerikanischen Verfassung Geltung zu verschaffen. Hans Wassmund