Die Boutique Mode Italiens kennt keine präzisen Jahreszeiten mehr, "Winter 66" läuft Hand in Hand mit "Sommer 66" über den Laufsteg. So ließ Emilio Pucci zwei Mannequins zugleich auftreten, das eine im Skidreß, das andere im Bikini, beide in den gleichen leuchtenden Farben. Bleibt nur der Unterschied des Materials. Die gleichen Dessins erscheinen für den Winter auf warmen Wolljersey s oder Samt, für den Sommer auf Batisten, federleichtem Seidenjersey oder Seidentwill.

Puccis Boutique Mode baut sich immer auf dem Quadrat auf, also auf Foulards mit breiter Kante, die ganz und gar mit seinen einzigartigen Dessins bedruckt sind. Zusammengesetzt, schräg oder gerade verarbeitet, entstehen daraus Kleider, Palazzo Pyjamas mit Haremshosen, lange oder kurze Wickelröcke und Hosenanzüge. Zu allen sehr kurzen oder knöchellangen Röcken gehören Strumpfhosen, die mit dem gleichen Dessin bedruckt sind. Orientalischer Total Look in Perfektion! Durch die geniale Dessinierung der Stoffe, die für den Abend noch mit Pailletten nachgestickt wie kristallisiert wirken, entsteht der Eindruck von allergrößtem Luxus. Erhöht wird das Ganze noch durch bizarre Zopffrisuren, die, wie Spiralen oder Arabesken auf Draht gezöpfelt, den Kopf wie ein Schmiedeeisengitter einrahmen. Selbst Gina Lollobrigida verfolgte diese berückende Perücken Präsentation mit staunenden runden Augen.

Ken Scott wurde mit dem größten Applaus auf den Laufsteg herausgeklatscht. Die sensationellen Imprimes von Falconetto, die er zu seinen Modellen verarbeitete, waren dieses Mal ausschließlich auf Banlon gedruckt, ein englisches Synthetic Produkt, das eine starke Farbbrillanz entwickelt. Die Muster: orientalische Mosaike oder gotische Kirchenfenster (sehr genau kopiert), ferner sehr schöne Blumendessins in Übergröße und dicht gehuschelt, Rittersporn, Maßliebchen, Callas, Zinnien, Astern und Dahlien. Die neue Linie heißt "sofissimo" und ist fließend schmiegsam. Am Tage kurze glockige Hemden mit schmalen, glockig ausfallenden Ärmeln, am Abend kaftanartige Gewänder mit schmalen langen Ärmeln. Passend zu den Imprimes trugen die Mannequins frische Blumen im Haar oder Turbane. Hierfür ist ein indischer. Mitarbeiter des Hauses zuständigder mit großer Geschwindigkeit das Schlingen eines echten Turbans demonstrierte.

Germana Marucelli überraschte sehr mit ihrem "Teddy boy look" und konnte jedenfalls befreiendes Gelächter einheimsen. Sie schickte drei echte Gammler mit gepflegtem Langhaar neben artigen Mädchen über den Laufsteg, wobei die Paare jeweils gleich gekleidet waren. Am lustigsten: Jungen und Mädchen in voluminösen langhaarigen Teddybärmänteln mit großen Kapuzen. Auch die Herrenhosen waren aus Plüsch. Am besten: die zu Dandys verwandelten Gammler in veilchenblauen oder shockiiig pink Anzügen mit breiten Krawatten. Die langen taillierten Jacketts waren vorbildlich geschnitten, zweireihig geknöpft mit kleinen Stehkragen und einer Tasche am Oberarm für Pfeife oder Zigaretten. Die schmalen Hosenbeine waren leicht ausgestellt.

Trotzig schüttelten die feinen Gammler ihre langen Mähnen mit ruckartigen Bewegungen aus der Stirn. Das Haar der Mädchen war bedeutend kürzer. Jedenfalls ist die farbige Herrenmode im Anmarsch und wird bald viel von sich reden machen. Die Jungen sehen blendend darin aus, spätestens im Jahr 2000 wird man sie als Selbstverständlichkeit hinnehmen.

Die Alta Moda, also die Haute Couture Italiens, bringt eine faszinierende Explosion von Farben. Schwarz und Weiß kommen an letzter Stelle. Melonengelb, Orange, pompejanisch es Rot und alle Fuchsiatöne in Hell und Dunkel stehen im Vordergrund. Das helle Lila der Parmaveilchen und ein leuchtendes Violett ist in allen Kollektionen zu finden — in kühnen Kombinationen mit Orange, Melone, Türkis, Tintenblau und Feuerrot. Grün erscheint nur in frischen oder giftigen Tönen, um das Bild zu ergänzen. Blau war verschwindend wenig zu sehen, und wenn, dann als Marineblau.

Es gab mehr Doubleface Stoffe denn je, mit überraschenden farbigen Abseiten. Alle Wollthetische Folien, die wie Gold, Silber oder Kupfer Leder wirken.