A. B., Saarbrücken

Zweimal wurde des verlorenen Saarsohnes Heimkehr mit einem "Geschenk" belohnt. Das "Reich" spendierte das Saarbrücker Stadttheater. Der "Bund" sagte sein Scherflein für den Bau einer Kongreßhalle in der Landeshauptstadt zu. Die Rechnung für beide Heimkehrer-Gaben allerdings zahlen die Saarländer auf lange Sicht selbst.

Das Theater kämpft trotz nicht gerade geringer finanzieller Unterstützung bislang einigermaßen vergeblich gegen leere Parkettreihen und Defizit.

Das Geschenk "Kongreßhalle", seit 1957 geplant und seit Juli 1961 im Bau, hat – wie ihr Architekt Professor Oesterlein aus Hannover bescheinigt – für eine "ungemütliche Situation" zwischen Land und Stadt gesorgt. Es geht um die Frage, wie die Mehrkosten für den Bau verteilt werden. Ursprünglich sollten 10 Millionen Mark reichen. Die Hälfte wollte der Bund schenken, den Rest sollten Land und Stadt je zur Hälfte aufbringen. Inszwischen sind 14,8 Millionen zuzüglich 1,2 Millionen für die Erschließung eher gering gerechnet. Den Löwenanteil der Mehrkosten sieht die Stadt Saarbrücken auf sich zukommen. Drohte OberbürgermeisterFritz Schuster im April dieses Jahres: "Wenn sich die Dinge nicht ändern, kann ich es nicht verantworten, dem Stadtrat zu empfehlen, das Geschenk anzunehmen."

Aber es war nicht nur das leidige Geld, das die rechte Freude an der Bonner Gabe nicht so recht aufkommen ließ. Man stritt sich um die Verwendbarkeit der Halle für größere Sportveranstaltungen. Über den Zeitpunkt, wann ein Hausmeister zu bestellen sei, konnte man sich nicht einigen. Man feilschte um die Kosten für die Außenanlage und die Zufahrtswege. Dem Architekten warf man schlechte Planung der Kücheneinrichtung vor und hatte Ärger mit der Akustik im Kleinen Saal.

Schließlich mußte man erfahren, daß es stets an Kellnern für die Bedienung der Gäste fehlen würde und daß sich ein Pächter für die Gastronomie schlichtweg nicht auftreiben ließ. Um die Mißlichkeiten vollzählig zu machen, errechneten schlaue Köpfe ein jährliches Defizit von mindestens 600 000 bis 700 000 Mark beim laufenden Betrieb der Halle.

Oberbürgermeister Schuster fand eine schlichtehrliche Formulierung für den Ernst der Lage: "Wir sind am Ende unseres Lateins." Indes, mit den Schwierigkeiten ist man noch längst nicht am Ende.