Dem Dialog der Schriftsteller über den Krieg in Vietnam scheint kein größeres Glück beschieden als den Sondierungen und Verhandlungen der Politiker: Über die Widerwärtigkeit des Krieges ist man sich einig, nicht aber über die Schuld an ihm und schon gar nicht über die möglichen Schritte zu einer Beendigung.

Vor einiger Zeit hatte der junge sowjetische Lyriker Jewgenij Jewtuschenko dem amerikanischen Nobelpreisträger John Steinbeck ein Gedicht gewidmet, das ihn aufforderte, gegen die Bombenangriffe auf Nordvietnam bei seiner Regierung zu protestieren. Steinbeck blieb Jewtuschenko die erbetene Emphase schuldig. In einem ebenso freundlichen wie besonnenen offenen Brief antwortete er unter anderem: "Mir sind alle Kriege verhaßt und dieser ganz besonders, und ich kenne keinen Amerikaner, dem dieser von China inspirierte Konflikt lieb wäre. Aber Du, lieber Freund, verlangst von mir, daß ich nur die eine Hälfte dieses Krieges verurteile, unsere Hälfte. Meinerseits bitte ich Dich, mit mir zusammen den gesamten Krieg zu verurteilen. Du weißt wohl, daß wir nur Treibstofflager, Transporte und moderne Waffen bombardieren, die benutzt werden, um unsere Söhne zu töten. Und woher diese Treibstoffe und Waffen kommen, das weißt Du besser als ich ... Ich bitte Dich, Deinen ganzen beträchtlichen Einfluß auf das Volk, die Regierung und die Freunde der UdSSR zu benutzen, damit diese tödlichen Transporte durch Nordvietnam aufhören... Meinerseits werde ich alle mir zur Verfügung stehenden Mittel benutzen, um meine Regierung dazu zu bringen, Soldaten und Waffen aus Südvietnam zurückzuziehen."

Von irgendeiner Antwort Jewtuschenkos wurde nichts bekannt. Statt dessen veröffentlichte ein Kollektiv von "Kulturschaffenden" (unter ihnen der Komponist Aram Chatschaturian) in der Moskauer Literaturnaja gaseta einen Aufruf an die "Kulturschaffenden" der Welt, insbesondere Amerikas, der "schmutzigen" und "verbrecherischen" Intervention Amerikas in Vietnam ein Ende zu machen – eine Verlautbarung, die sich im Ton und in den Argumenten von keiner Regierungsproklamation mehr unterscheidet.

Daß der Einfluß auf Regierung und Volk, den die Schriftsteller beider Seiten zu besitzen glauben und sich gegenseitig zuschreiben, weniger beträchtlich ist, als sie annehmen, und daß selbst eine Entente der Künstler wenig helfen könnte – diese Selbsttäuschung, mit der sich die partielle Schwerhörigkeit politische Bedeutung zumißt –, potenziert noch die Hoffnungslosigkeit dieses hoffnungslosen Verständigungsversuchs.

D. E. Z.