Eine winzige Maus, namens Ky, auf den Pfoten eines amerikanischen Tigers sitzend, wirft sich in die Brust: "Wir werden es mit allen Tieren des Waldes aufnehmen!" – So kommentierte der Karikaturist der New York Herald Tribüne die jüngsten Kraftäußerungen des südvietnamesischen Regierungschefs. In einem Interview mit US News and World Report hatte Vizemarschall Ky (übrigens nicht zum erstenmal) den Krieg mit China als unvermeidlich hingestellt: "Früher oder später müssen wir als freie Menschen den chinesischen Kommunisten entgegentreten, und dann lieber jetzt als in fünf oder zehn Jahren."

Ky redete auch einer Invasion in Nordvietnam das Wort. Der Vietcong könne in absehbarer Zeit nicht besiegt werden, solange sich Nordvietnam hinter dem 17. Breitengrad sicher wähne. Das Risiko einer chinesischen Intervention würde ihn nicht schrecken.

Präsident Johnson wurde von dem Interview völlig überrascht. In Washington empörten sich sofort besorgte Senatoren, daß sich Ky solche Freiheiten erlauben dürfe. Das State Department erklärte lakonisch: Wir wünschen keine Kriegsausweitung.

Ky beeilte sich, in einer Pressekonferenz seine Ansichten zu erläutern: Er hege Zweifel, daß die USA noch fünf bis zehn Jahre Krieg führen wollten.

Im Gegensatz zu diesem Kriegsgeheul gebärdete sich Ky in der Innenpolitik wie ein Lamm. Er wolle im nächsten Frühjahr nicht für das Amt des Staatspräsidenten kandidieren, kündigte er vor ausländischen Journalisten an, und im Herbst 1967 die Politik ganz an den Nagel hängen, um wieder fliegen zu können. (Als Oberbefehlshaber der Luftwaffe bleibt Ky der stärkste Mann im Lande!) In der südvietnamesischen Presse war freilich diese Nachricht nirgends zu finden.

Für die Wahl einer Konstituante am 11. September hat Ky bisher 600 Kandidaten zugelassen, unter ihnen viele Militärs. Freilich werden es "Mini-Wahlen" sein. Die Vereinigte Buddhistische Kirche, die Katholische Gruppe unter Pater Huang Quynh, etliche Gruppen der Protestanten, der Hoa-Hoa- und der Cao-Dai-Sekten und viele Studenten drohen mit einem Boykott Die Vietcongs dürfen ohnehin nicht wählen...