Wir machen unseren Freunden das Leben wirklich schwer. Die Amerikaner werden gezwungen, uns immer von neuem zu versichern, wie lieb sie uns haben, wie treu sie uns sind und wie fest sie sich entschlossen haben, niemals Truppen abzuziehen, auch wenn sie sie dringend brauchen. Die Inder werden verärgert, weil alle ihre offiziellen Äußerungen immer wieder mit Lupe und Phonometer daraufhin untersucht werden, ob sie womöglich Zeichen von Annäherung an die DDR verraten.

Im Kommuniqué, das den Besuch Indira Gandhis in Moskau im Juli abschloß, hieß es: "Die indische Seite wiederholt, was der verstorbene Ministerpräsident Lal Bahadur Schastri im indisch-sowjetischen Kommuniqué vom Mai 1965 festgestellt hat, daß die Tatsache der Existenz zweier deutscher Staaten nicht ignoriert werden kann..."

Diese Formel ist von Nehru schon im September 1961 in Moskau gebraucht worden, sie wurde dann im September 1964 und im Mai 1965 von seinem Nachfolger Schastri wiederholt und jetzt von Indira Gandhi übernommen. Warum also die Aufregung? Oder wollen wir den Indern, die immer wieder versichern, daß sie die DDR nicht anerkennen werden, den wirtschaftlichen Handel verargen? Spüren wir denn gar nicht, daß wir unseren Freunden auf die Nerven fallen? Wissen wir denn nicht, daß man durch Vertrauen zur Treue verpflichten, dagegen mit Argwohn Enttäuschungen provozieren kann? Dff.