Mit dem technischen Fortschritt sind auch die Methoden der Diebe und Einbrecher, der Mörder und Kindesentführer raffinierter geworden. Unlängst machte in London eine Bande von sich reden, die einen Juwelenraub unter Einsatz modernster Walkie-Talkie-Geräte durchführte. Während ein Teil der Gangster den Laden plünderte, hielten die übrigen mit den kleinen, tragbaren Sende- und Empfangsgeräten auf den Straßen Wache, um ihre Komplizen schnell und drahtlos zu verständigen, sobald Gefahr im Verzuge war.

Dem Zuwachs an technischem Raffinement in der Unterwelt muß die Polizei gewachsen sein, will sie dem Verbrechen begegnen, und so macht auch sie sich heute in zunehmendem Maße wissenschaftlich-technische Methoden zunutze. Der Sherlock Holmes des Atomzeitalters braucht sich um fehlende Indizien heute weit weniger Sorgen zu machen als einst, selbst wilde Verfolgungsjagden über Dächer und durch U-Bahnschächte kann er dank seiner technischen Möglichkeiten jetzt wesentlich eleganter gestalten.

Ein Beispiel: Als der Sohn des amerikanischen Schlagersängers Frank Sinatra entführt worden war, versteckten die FBI-Beamten im Lösegeld einen erbsengroßen Geheimsender. Daraufhin lauerten sie im Einsatzwagen in der Nähe der verabredeten Stelle und lauschten nach James-Bond-Manier auf den Ton in ihrem Peilempfänger. Tatsächlich verriet das versteckte Gerät die Spur der Entführer, so daß sie gestellt und verhaftet werden konnten.

Zu den imponierendsten Verfahren der Spurensicherung zählt der Kriminalist des Jahres 1966 eine Methode, mit der er verräterische Materialspuren selbst dann noch entdecken kann, wenn sie unterhalb der mikroskopischen Sichtbarkeitsgrenze liegen. Das Zaubermittel heißt "Aktivierungsanalyse". Es funktioniert ungefähr so:

Angenommen, es geht darum, auf der Kleidung eines Ermordeten Stoffreste vom Anzug des Täters, an einem Auto die Lackspuren eines anderen Wagens oder Metallreste eines Einbrecherwerkzeugs an einer erbrochenen Tür zu finden, so entnimmt der Kriminalist eine kleine Probe von der verdächtigen Stelle, zum Beispiel der Kleidung einer Überfallenen Frau. Das zu prüfende Stoffstückchen wird anschließend in einem Atomreaktor durch Neutronenbeschuß radioaktiv gemacht, das heißt, die in ihm enthaltenen chemischen Elemente werden in ihre strahlenden "Zwillingsbrüder" (radioaktive Isotope) verwandelt. Wendet man nun ein spezielles Nachweisverfahren an, so verraten sich die verschiedenen Isotope getrennt voneinander auf der Mattscheibe eines Oszillators, so daß der Beamte binnen kurzem ein genaues Bild aller in der untersuchten Probe vorkommenden Elemente nach Art und Menge bekommt.

Untersucht er nun auf gleiche Weise – um bei unserem Beispiel zu bleiben – die Kleidung des Verdächtigten und findet den gleichen chemischen Steckbrief, so werden kaum noch Zweifel an der Täterschaft bestehen. Der Vorzug des Verfahrens liegt darin, daß es selbst dann noch anwendbar ist, wenn keinerlei sichtbare Stoffreste an der Kleidung des Opfers hängengeblieben sind – es genügen Spuren in der Größenordnung eines Milliardstel Gramms, wie sie häufig bei der bloßen Berührung zurückbleiben. Genauso aber, wie man auf diese Weise Stoffspuren zur Oberführung benutzen kann, gelingt es mit Farb-, Gummi-, Haut-, Lack- oder Medikamentenresten und selbst mit dem Staub in den Schuhnähten, der mit dem Staub des betretenen Bank-Tresorraumes verglichen werden kann.

Wie zuverlässig die Aktivierungsanalyse arbeitet, erweist sich eindrucksvoll auch bei der Überführung von Tätern, die eine Schußwaffe benutzten. Nach einem Pistolenschuß bleiben auf dem Handrücken der die Waffe haltenden Hand winzige Spuren von Barium und Antimon zurück; beim Abschuß eines Gewehrs finden sich Spuren dieser Elemente auch im Gesicht des Täters. Wenn die Polizei bald nach der Tat eine Reihe Verdächtiger festnehmen könnte, so braucht sie ihnen nur die betreffenden Hautpartien abzuwischen und das dazu benutzte Material mit Hilfe der Aktivierungsanalyse zu untersuchen, um den Schützen dingfest zu machen.