Die große Säuberung in der Kommunistischen Partei Chinas hat nun auch die Streitkräfte erfaßt. Der Generalstabschef der Armee, Lo Jui-tsching und viele andere höhere Offiziere, unter ihnen der Befehlshaber der Marine, der Kommandeur der Sicherheitstruppen und der Chef der politischen Abteilung in der Armee, wurden abgesetzt, weil sie angeblich die Parteipolitik aus dem militärischen Leben verbannen wollten.

Als neuer Stabschef der Armee amtiert jetzt Maos Freund Yang Tscheng-wu, der Anfang der dreißiger Jahre den berühmten "Langen Marsch" mitmachte.

Die Säuberung begann schon im letzten Herbst. Sie läuft unter dem kuriosen Titel "Die große proletarische Kulturrevolution". Hunderte von hohen Funktionären und Tausende kleiner Parteifunktionäre in der Provinz wurden ihre Posten los. Die prominentesten Opfer waren bisher

  • Generalstabschef Lo Jui-tsching, der frühere Sicherheitsminister;
  • Peng Tschen, Bürgermeister und Parteichef von Peking, Mitglied des Politbüros und einer der wichtigsten Parteiführer;
  • Lu Ting-yi, Kultusminister und Chefpropagandist, und
  • der Literaturpapst Tschu Yang.

Mehrere Monate lang glaubte die Welt, hinter der Kampagne gegen die "revisionistischen und bürgerlichen Elemente", die sich angeblich in der Kunst und Literatur breitgemacht haben und auch die Armee "in eine bourgeoise Einrichtung" verwandeln wollten, verberge sich ein Machtkampf um die Nachfolge des kranken Parteiführers Mao. Es hieß sogar, Mao Tse-tung leide an der Parkinsonschen Krankheit. Aber in der vorigen Woche verbreitete die chinesische Presse Bilder, die den bereits totgesagten Parteichef als munteren Badegast am Jangtse zeigten. Ausländische Geheimdienstexperten halten die Photos für ziemlich echt. Offensichtlich hat Mao die Partei nach wie vor fest im Zügel. Nach Ansicht von britischen China-Experten hat Mio im letzten Herbst in einer hastig einberufenen Sitzung des Zentralkomitees die als Kulturfeldzug getarnte Säuberung angeordnet, nachdem ihm zuvor Anklagen gegen die Intellektuellen und vor allem gegen den ehrgeizigen Pekinger Bürgermeister vorgelegt worden waren. Anscheinend betätigten sich als Ankläger gemeinsam Parteigeneralsekretär Teng Hsiao-ping, die "graue Eminenz", und Verteidigungsminister Marschall Lin Piao, der als Soldat ebenso brillant ist wie als Parteithcoretiker.

Die Säuberung hat zwe Ziele:

1. Die Vernichtung jeglicher Opposition, auch der moskau-freundlichen Revisionisten.