Unter dem Titel "Grund unter den Füßen" versucht der Führer der katholischen ZNAK-Gruppe im polnischen Parlament, Stanislaw Stomma, seinen Lesern die Vorzüge des sozialistischen Regimes näherzubringen. Am 24. Juli schrieb er in der in Krakau erscheinenden Zeitschrift Tygodnik Powszechny: "Unbestreitbar wertvoll an diesem neuen Staat ist seine Wirklichkeit. Seine starken Seiten treten gerade dort hervor, wo während der Zweiten Unabhängigkeit (1919-1939) die Hauptschwäche lag. Endlich wurden die unlösbaren Probleme des Zwischenkriegs-Staates... gelöst. Unser Staat ist nicht mehr bedroht; wir brauchen nicht in ständiger Unruhe um die Erhaltung unserer Existenz zu bangen."

Das Land, so fährt er fort, sei industrialisiert, die veraltete Sozial-Struktur liquidiert und die Arbeitslosigkeit beseitigt worden. Vorkriegspolen sei "isoliert" gewesen und habe daher den schwierigen Lebensproblemen die Stirn nicht bieten können. "Das Fehlen der nationalen Einheit – über 30 Prozent der Bevölkerung im Vorkriegspolen waren nichtpolnisch – verschärfte die Lage noch."

Wörtlich schreibt Stomma weiter: "Beträchtliche Teile der nichtpolnischen Bevölkerung (Ukrainer und Weißrussen) strebten die Abtrennung von Polen an. Selbst wenn es 1939 nicht zum Kriege gekommen wäre, selbst wenn es dem damaligen Staat gelungen wäre, die ökonomische Rückständigkeit zu beseitigen, wäre es unweigerlich doch zu einer schweren Nationalitätenkrise gekommen."

Einen weiteren großen Vorteil gegenüber dem Vorkriegspolen waren nichtpolnisch – verschrfte Westgebieten", die unvergleichlich wertvoller seien als die verlorengegangenen Ostgebiete. "Eben diese Veränderungen haben den Staat zu der heutigen Realität geformt. Seine Existenz ist stabil und sicher. Das Gefühl, Grund unter den Füßen zu haben, stellt den größten Wert des heutigen Volkspolens dar."

Diese Errungenschaften müßten, nach Meinung Stommas, "tief ins Bewußtsein der Bürger eindringen". Man könne dies jedoch nicht mit klugen Belehrungen und noch so guten Propaganda-Aktionen erreichen. Die schwergeprüfte heutige Generation "will nicht immerfort als... Material zum Bau der künftigen besseren Zeiten betrachtet werden. Sie hat ihre Wünsche und Ziele, ihr Recht auf ein besseres Leben... Ihre berechtigte und begründete Forderung ist die Hebung des Lebensstandards..."

Wenn auch die Möglichkeiten hierfür "recht bescheiden" seien, müsse den Menschen gezeigt werden, daß alle Bemühungen der Wirtschaftspolitik auf die Besserung der Lebensbedingungen im Lande gerichtet seien.

"Eine stärkere Bindung des Bürgers an den Staat kann nicht durch einseitige Forderungen an die Bürger erreicht werden. Auch der Bürger hat seine Forderungen, und er müßte immer breitere Möglichkeiten zur Verwirklichung dieser Forderungen erhalten." Dies bedeute, daß er "durch reale Teilnahme am Staatsleben", auf die Beschlüsse der Regierung "Einfluß nehmen" könne.