Eine Morgengabe ist es nicht gerade, was die Krupp Hüttenwerke AG ihren Aktionären zu bieten hat, die zum ersten Male in diesem Jahr an einer Hauptversammlung der Krupp-Montangruppe teilnehmen dürfen. Zwar erhalten die freien Anteilseigner, die mit 143 Millionen an dem im Zuge der Fusion von Rheinhausen und der früheren Bochumer Verein für Gußstahlfabrikation AG auf 573 Millionen Mark erhöhten Aktienkapital beteiligt sind, eine bis 1974 garantierte Dividende in Höhe von 10 Prozent. Das ist gegenwärtig für Montanaktien eine schon fast lukrative Verzinsung, aber einen Vergleich mit anderen Unternehmen der Branche hält die Krupp-Dividende dennoch nicht stand. Sie liegt, bezogen auf das ganze Grundkapital, nur etwas über zwei Prozent.

Der Großaktionär Alfried Krupp von Bohlen und Halbach verzichtet darauf, für seine 450 Millionen Stammaktien Dividende zu kassieren. Dieser Verzicht sei freiwillig gewesen, so hieß es in der Pressekonferenz der Gesellschaft. Tatsächlich gab es auch keine andere Wahl. Schon der Betrag für die garantierte Minderheitsdividende ist im Berichtsjahr nicht verdient worden. Außerordentliche Erträge und Rücklagenauflösungen halfen dem Unternehmen, über die Runden zu kommen.

Daß es den Krupp-Hüttenwerken schlechter geht als anderen Unternehmen der insgesamt nicht auf Rosen gebetteten Stahlindustrie, ist nicht zu übersehen. Auch der deutlich nach Salzguter zielende Hinweis der Verwaltung, daß die jüngste Montanpublikumsgesellschaft an der Ruhr noch nicht das Schlußlicht der Branche ist, kann nur ein schwacher Trost sein. Mit mühsamem Optimismus müssen jetzt die vor allem beim früheren Bochumer Verein leider etwas spät angelaufenen Großinvestitionen zu Ende geführt werden. Der Preis für die investitionspolitische Spätzündung ist hart: hohe Abschreibungsquoten und hohe Zinsaufwendungen sind in einer Zeit sinkender Erlöse und stark eingeengter Selbstfinanzierungsmöglichkeiten kein Pappenstiel. Kein anderes Hüttenwerk an der Ruhr hat gegenwärtig im Verhältnis zu seinem Umsatz so hohe Investitionen abzuwickdn wie die Gruppe Rheinhausen. Jetzt hat die Verwaltung ihre Unternehmenspolitik einer strengen Kontrolle unterzogen: Nur die beiden Großprojekte, das LD-Stahlwerk in Rheinhausen und die Warmbreitbandstraße in Bochum, sollen fertiggestellt, neue zum Teil bereits geplante Vorhaben nicht mehr in Angriff genommen werden. I. N.