Vor sechs Jahren lag der vom Statistischen Bundesamt in Wiesbaden ermittelte Index für deutsche Aktien bei 708. Bis Ende Juni dieses Jahres war er um 40 Prozent auf 425 gesunken. Berücksichtigt man einerseits die Depotgebühren und An- und Verkaufsspesen, die der Aktiensparer bezahlen muß, andererseits die Einnahmen aus Dividenden, so kommt man zu dem Resultat, daß bei deutschen Aktien während dieser Zeit im Jahresdurchschnitt ein Verlust von jährlich 5,8 Prozent eingetreten ist.

Da ist es kein Wunder, wenn in unserer Tabelle in der Spalte, die sich auf die letzten sechs Jahre bezieht, fast nur Minuszeichen erscheinen. Nur drei Fonds, die keine deutschen Aktien enthalten, konnten in dieser Zeit Gewinne erzielen. Vergleicht man nun aber die Verluste bei den Fonds mit den Verlusten beim Aktienindex, so kann man die erfreuliche Feststellung machen, daß bei vielen Fonds die Verluste geringer waren als beim deutschen Aktienindex.

Den meisten Fondsverwaltungen ist es also in den sechs Jahren gelungen, nicht nur ihre – im Vergleich zu einem normalen Wertpapierdepot – erhöhten Unkosten zu verdienen, sondern auch noch etwas bessere Ergebnisse als beim Durchschnitt der deutschen Aktien zu erzielen. Das liegt allerdings nicht immer an der besonderen Geschicklichkeit der Investmentverwalter. Bei vielen Fonds sorgten vielmehr die Bestände an ausländischen Aktien und an festverzinslichen Werten dafür, daß sich die Kursrückgänge bei den deutschen Aktien beim Fondsvermögen nicht voll auswirkten. Bei vier Fonds, die fast ausschließlich deutsche Aktien enthalten, ist jedoch das Geschick der Fondsverwaltung zu rühmen, der es durch entsprechende Auswahl der Aktien gelang, die Auswirkung der allgemeinen Verluste auf ihre Fonds zu mindern: In den letzten sechs Jahren waren die jährlichen Verluste beim Adifonds (ADIG) um 0,2, Fondak (ADIG) um 0,3, Dekafonds (DK) um 0,9 und Investa (DWS) um 1,0 Punkte geringer als beim Index.

Nun sind auch verminderte Verluste immer noch Verluste, und wer sich zum Investmentsparen entschließt, erhofft sich eigentlich Gewinne und interessiert sich daher in erster Linie dafür, wie sich die Fonds bei steigenden Kursen entwickelt haben. Das ist nun deshalb nicht leicht zu beurteilen, weil man einem solchen Urteil die Beobachtung über einen längeren Zeitraum hinweg zugrunde legen sollte. In den letzten Jahren war nun leider die Entwicklung an den deutschen Börsen recht unerfreulich, und wenn man den Ausgangspunkt der Betrachtung neun Jahre zurückverlegt, dann kann man die Mehrzahl der heute von deutschen Fondsverwaltungen angebotenen Fondsanteile nicht mit einbeziehen, weil sie damals noch nicht bestanden. Von den acht in der Bundesrepublik verwalteten Fonds, die es damals schon gab, hat allerdings kein einziger die Resultate des Aktienindex erreicht. Das hat sicherlich nicht nur an Bankguthaben und den Beständen an festverzinslichen Werten gelegen, bei denen natürlich ein jährlicher Gewinn von über 13 Prozent nicht zu erreichen war, sondern wohl auch an der Auswahl der Aktien, die bei diesen Fonds nicht immer glücklich gewesen sein dürfte. Immerhin hat Fondak (ADIG) – unter Berücksichtigung der Ausschüttungen – über die ganzen letzten 15 Jahre hinweg die jährliche Zuwachsrate beim Index doch wenigstens erreicht, wenn auch nicht übertroffen.

Wer sich entschließt, Anteile an einem der in der Bundesrepublik verwalteten Fonds zu erwerben, dem wird die Auswahl unter den 28 Fonds, die wir in unserer Übersicht aufgeführt haben, gewiß nicht leichtfallen. Niemand kann diese Entscheidung dem Sparer abnehmen. Was wir tun konnten, war, Material für das eigene Urteil zusammenzustellen.

Unter den 28 Fonds sind drei Immobilienfonds. Die Geldanlage in Häusern und Grundstücken gilt als besonders wertbeständig. Auch in Zeiten fallender Aktienkurse konnten hier Gewinne erzielt werden. Einer dieser Fonds besteht schon längere Zeit. Hier, beim "iii-Fonds Nr. 1", zeigt sich jedoch, daß auch auf diesem Gebiet die Gewinnraten in den letzten Jahren stark zurückgegangen sind.

Zwei Fonds sind auf festverzinsliche DM-Werte spezialisiert. Sie erscheinen in unserer Tabelle noch nicht, weil sie erst in diesem Jahr gegründet wurden. Wer allerdings gemeint hat, festverzinsliche Papiere könnten keine Verluste bringen, sah sich getäuscht. In einem der Gründungsprospekte wurde zwar ausdrücklich darauf hingewiesen: "Der Fonds kann Kursgewinne erzielen, die auch zur Ausschüttung kommen können." Tatsächlich trat aber das Gegenteil ein. Die Kursverluste bei den deutschen Rentenwerten waren im ersten halben Jahr so hoch, daß dadurch nicht nur die Zinsen aufgezehrt wurden, sondern noch ein Substanzverlust eintrat.