Fast zwei Meter groß war er, dabei breitschultrig und schon in verhältnismäßig jungen Jahren stark beleibt. Sein runder Kopf mit dichtem dunklem Haar saß auf einem wulstigen Stiernacken; den Mund verdeckte ein herabhängender Schnurrbart. In auffallendem Gegensatz zu seinem kräftigen Körper war seine Stimme: sie war überraschend hoch und dünn.

Dieser schwerfällig wirkende Koloß, der ein ausgezeichneter Schwimmer und ein glänzender Reiter war, verfügte über beeindruckende körperliche Kräfte und Reserven. Er konnte, so heißt es, in einer Hand vier Hufeisen zusammendrücken und es machte ihm so gut wie nichts, mehrere Tage hintereinander ohne eine Stunde Schlaf im Sattel zu sein. In Ruhezeiten allerdings, in denen solcher Einsatz nicht nötig war, pflegte er jeden Nachmittag lange zu schlafen.

Dafür stand er morgens schon sehr früh auf. Sein erster Gang führte ihn in die Kirche, wozu er sich nur einen Schlafrock überzog. Erst nachher zog er sich an, und das, während er schon Leute empfing – Untergebene, denen er Anweisungen erteilte, oder auch Rechtsuchende. Und nicht selten sprach er gewichtige Urteile nur mit einem Hemd bekleidet. Er neigte eben zur Formlosigkeit und war nicht bereit, sich in überkommene Konventionen zu fügen.

Das galt auch für sein Verhältnis zu Frauen. Fünfmal war er verheiratet, was in seiner Zeit geradezu als tierisch galt. Der heilige Gregorovius hatte erklärt: "Die erste Ehe ist Gesetz, die zweite verzeihlich, die dritte Missetat. Wer aber diese Zahl überschreitet, ist offenbar ein Tier."

Da er mächtig genug war, konnte er sich über die Meinung der Priester in dieser Frage hinwegsetzen. Zu seinen Lebzeiten wagte ohnehin niemand, ihn wegen seiner "Sündhaftigkeit" offen anzugreifen. Das geschah erst nach seinem Tode. Da war viel von der angeblichen Vision eines Mönchs die Rede, nach der der Verstorbene in der Hölle an einen Felsen geschmiedet unter entsetzlichen Qualen erdulden mußte, daß ein Tier ihm die "Wurzel allen Übels" abnagte.

Heute kann man darüber lachen. Damals aber fand jene "Vision" starke Beachtung und blieb nicht ohne politische Folgen. Denn auch auf den mönchisch eingestellten Sohn und Erben machte sie Eindruck, und das so stark, daß er versprach, alles wiedergutzumachen, was sein Vater gesündigt hatte. Wiedergutmachen aber bedeutete Frommsein. Und Frommsein hieß zu jener Zeit, dem Klerus möglichst viel Besitz und viele Rechte zu geben. Während es die einen also verstanden, aus jener "Wurzel allen Übels" Kapital zu schlagen, entstand eben dadurch ein folgenreiches Grundübel, eine politische Spannung, die über Jahrhunderte bestehen blieb.

Der fromme Sohn, durch seine nachgiebige Haltung schuldiger an dieser Entwicklung als der sündige Vater, war nicht das einzige Kind. Mit Nachwuchs war der Vielbeweibte reich gesegnet, und er hing sehr an seinen Kindern. Wenn irgend möglich, mußten sie alle um ihn sein. Sein starker Familiensinn ließ es ungern zu, daß seine Töchter sich verheirateten; keine wollte er verlieren. Andererseits war er großzügig genug, von seinen Töchtern nicht ewige Keuschheit zu fordern. Als es einmal darum ging, unter den unverheirateten Mädchen seines Hauses den "Tugendpreis" zu verteilen, erhielt nur eine Nichte – so jedenfalls berichtet es der Chronist – "die Siegespalme der Keuschheit, denn nur ihr war es gelungen, unter den sinnlich nach dem Mann Rasenden, ohne zu straucheln, im Taumel der Begierden, die Sinnenlust zu überwinden..." Vielleicht neigten Chronisten auch damals schon zu journalistischer Überhöhung. Feststeht indessen, daß wenigstens ein Teil seiner Töchter ein sehr freies Liebesleben führte und der Vater keinen Einspruch erhob.