So segelten wir im bisher größten Ozeanrennen

Von Detlef Rost und Christian Eminer mann

Detlef Rost, Ingenieur, 30 Jahre, war der jüngste Skipper im diesjährigen Transatlantik-Rennen; er führte die Hamburger Jacht "Ortac". Christian Emmermann, Betriebswirtschaftsstudent, 24 Jahre, war der "Smut", der Koch der acht Mann starken Besatzung.

Segeln, Essen, Schlafen und Segeln und Segeln – nur das war wichtig. Wir sind nicht einfach über "den großen Teich" zigeunert; wir haben ein Rennen bestritten. Und das heißt: bei uns an Bord herrschten nicht Beschaulichkeit und Gemütlichkeit. Wir wußten, daß wir mit unserer guten alten "Ortac", 1937 gebaut, gegen die modernen Jachten der 41 Rivalen, vor allem der Amerikaner, keine Siegchance hatten; aber wir wollten selbstverständlich keine Minute und keine Meile verschenken.

Als wir vor St.-Davids-Leuchtfeuer an der Ostspitze der Bermuda-Inseln starteten, hatten wir drei große Regatten vor der amerikanischen Küste und dann das Bermuda-Race hinter uns, das berühmte amerikanische Seerennen von Newport nach Hamilton, der Hauptstadt der britischen Inselgruppe. Weit mehr als hundert Jachten hatten an diesem Rennen, von dem man sich in Europa kaum eine Vorstellung macht, teilgenommen. Es ist eine der eindrucksvollsten sportlichen Veranstaltungen überhaupt und läßt erkennen, wie sehr, nimmt man alles in allem, der amerikanische Jachtsport dem europäischen nach Zahl und Material überlegen ist.

Auf den Bermuda-Inseln gab es eine Anzahl von Partys und Festen, von denen wir nicht allzu viel hatten: unser Schiff "machte Wasser", hatte ein paar leichte Schäden, die repariert werden mußten. Gastgeber der wohl eindrucksvollsten gesellschaftlichen Veranstaltung war Herr Alfried Krupp von Bohlen und Halbach, dessen Jacht "Germania VI" unter der Führung von Hans Viktor Howaldt ins Rennen ging. Etwa fünfhundert Personen dinierten. Noch bevor das Atlantik-Rennen 1966 begonnen hatte, wurde hier schon für das Atlantik-Rennen 1968 geworben. 1968 feiert der Norddeutsche Regatta-Verein in Hamburg sein hundertjähriges Bestehen; und aus diesem Anlaß wird abermals von den Bermudas nach Skagen-Feuerschiff (und weiter nach Travemünde) gesegelt.

Von den Bermudas nach Skagen-Feuerschiff – das war auch jetzt unsere Rennstrecke. In Kopenhagen hatten wir dann zum erstenmal wieder festen Boden unter den Füßen. Das Atlantik-Rennen 1966 wurde aus Anlaß der Hundertjahrfeier des Königlich-Dänischen Yacht-Clubs ausgetragen. Es ging um den Pokal des Königs von Dänemark. Gewonnen wurde es von der "Ondine" mit ihrem Skipper S. A. Long. Die "Ondine" hatte schon in den beiden voraufgegangenen Ozeanrennen, 1960 von den Bermudas nach Skagen und 1963 von Newport nach Plymouth, am besten abgeschnitten; der dritte Sieg der amerikanischen Jacht hintereinander gehört zu den größten Erfolgen im modernen Sport überhaupt.