Ein glattes, wenn auch in höfliche Formen verhülltes Nein hat sich die Bundesrepublik im Ministerrat der EWG mit dem Wunsch geholt, das Kreditvolumen im Handel der EWG-Länder mit der DDR zu begrenzen. Das einzige, was Bonn erreicht hat, war eine Erklärung, die Laufzeit staatlich verbürgter Kredite auf fünf Jahre festzusetzen – ein Zeitraum, der ohnehin in der sogenannten Berner Union festgelegt ist. Frankreich und Italien wiesen mit Recht darauf hin, daß Großbritannien und andere Drittländer die Nutznießer einer Beschränkung des EWG-Handels mit der DDR sein würden. Sie würden mit Freuden in die Lücken stoßen, die die EWG-Länder hinterließen.

Es ist unverständlich, daß Bonn einen Vorstoß in dieser Richtung überhaupt unternahm, nachdem der westdeutsche Interzonenhandel schon lange von den Kreditangeboten der westlichen "Bündnispartner im Osthandel überrollt worden ist. Bonn fand sich zur Kreditgewährung an Ostberlin erst bereit, als sich insbesondere Frankreich mit langjährigen Kreditangeboten bereits gut ins Geschäft gebracht hatte.

Bei manchen Stellen in Bonn scheint die Vorstellung unausrottbar, man könne durch Beschränkungen der Handelsbeziehungen oder Verweigerung von Krediten auf die DDR einen Druck ausüben. Die Erkenntnis, daß im Gegenteil nur möglichst enge und umfangreiche Handelsbeziehungen die beiden Teile Deutschlands noch miteinander verklammern, kann sich in Bonn nur schwer durchsetzen. Aber ist es nun nötig, sich auch noch von den eigenen Partnern im Gemeinsamen Markt, für die der Handel mit der DDR ein ganz normaler Außenhandel ist, eine solche Abfuhr zu holen? mh