Wolfgang Amadeus Mozart: "Streichquartette A-dur KV 464 und C-dur KV 465 (Dissonanzenquartett)"; Smetana-Quartett; Electrola SME 91 444, 25,– DM.

Herr Haydn sagte mir", so schrieb Leopold Mozart am 16. Februar 1785 seiner Tochter Anna Maria, "ich sage ihnen vor Gott, als ein ehrlicher Mann, ihr Sohn ist der größte Componist, den ich von Person und den Namen nach kenne: er hat geschmack, und über das die größte Compositionswissenschaft." Anlaß für dieses kollegiale Lob waren vor allem zwei der sechs "Haydn-Quartette", die Wolfgang Amadeus Mozart ein paar Wochen zuvor vollendet hatte und die auf dieser Schallplatte dargeboten werden. Jürgen Dohm sagt von ihnen in seiner ausgezeichneten Einführung auf der Plattentasche freimütig, sie seien "einer der steilsten Gipfel europäischer Kammermusik überhaupt". Schlüsselwort dieser enthusiastischen Formulierung ist der Begriff der "thematischen Arbeit". Damit ist die vielfältige Veränderung eines oder weniger, oft miteinander verwandter musikalischer Motive in jeweils allen vier Sätzen dieser Werke gemeint. Das Prinzip ist in den beiden hier wiedergegebenen Stücken bis zur Vollendung angewandt, und es ist wohl ein Glücksfall, daß das tschechische Smetana-Quartett dies deutlich macht: durch ein feinfühliges, homogenes Musizieren, das sich niemals künstliche Höhepunkte um des drastischen Effektes willen schafft. So gelingt es ihm makellos auch darzustellen, was den beiden Stücken Mozarts anhaftet: eine sanfte Wehmut. Die Tschechen spielen so viel Gefühl, wie in den Noten steht, nicht mehr. Nur eines betrübt: das Dissonanzenquartett wird auf dem vorliegenden Exemplar von Nebengeräuschen gestört, besonders im ersten Satz. Eine "Fehl-Pressung"?

Manfred Sack