Der Vorsitzende der IG Metall, Otto Brenner, ist ein Gewerkschaftsführer von hohen Qualitäten. Aber er hat einen großen Fehler, der es bisweilen schwer macht, ihn und seine Äußerungen in der Öffentlichkeit zu verstehen. Die Zeiten mögen sich noch so ändern; Brenner ist es schier unmöglich, sie anders als durch die Brille der marxistischen Klassenkampftheorie zu sehen.

Auf einer Funktionärskonferenz in Düsseldorf setzte sich der IG-Metall-Chef unter anderem auch kritisch mit der Restriktionspolitik der Bundesbank auseinander. Er machte ihr den Vorwurf, Arbeitslosigkeit bewußt in Kauf zu nehmen, um den "grundsätzlichen Konflikt mit der (reaktionären) Bundesregierung" zu vermeiden. "Man will das Angebot von Arbeitskräften auf dem Arbeitsmarkt erhöhen. Die sogenannte Reservearmee soll als Druckmittel herhalten, um Lohn- und Gehaltsforderungen und soziale Verbesserungen zu bremsen." Mit anderen Worten, und so meint das ja wohl auch Otto Brenner: letztes Ziel der Stabilisierungsbemühungen der Bundesbank ist nicht die Stabilisierung von Wirtschaft und Währung; ihr letztes Ziel ist es, die Gewerkschaften auf die Knie zu zwingen.

Kritik an der Bundesbank ist legitim. Man kann durchaus der Meinung sein, daß ihre Restriktionspolitik mehr Schaden als Nutzen stiftet. Und sicher ist es sogar, daß die Lohn- und Gehaltsbewegungen durch sie einen gehörigen Dämpfer erhalten. Aber es ist ein ganz miserabler Stil, die Notenbank der gezielten Parteinahme zu Lasten bestimmter Bevölkerungsgruppen zu bezichtigen. Schade für Otto Brenner. kr