Der Krieg in Südvietnam ist in den letzten Wochen bereits gefährlich nahe an die entmilitarisierte Zone herangerückt, die seit dem Genfer Indochina-Abkommen von 1954 das kommunistisch regierte Nordvietnam vom Süden trennt. In der bisher größten Landoperation seit Beginn der Eskalation stellten die Amerikaner in der Provinz Quang Tri Einheiten einer nordvietnamesischen Division zum Kampf, die durch die Pufferzone eingesickert sein sollen (Verluste der US-Truppen: 500 Mann; die gegnerischen Einbußen sollen viermal höher sein.)

Mehrmals legten Fernbomber vom Typ B 52 Bombenteppiche hart südlich des 17. Breitengrades (siehe Karte). Prompt meldete sich die internationale Dreier-Waffenstillstandskommission zu Wort; Kanada, das westliche Mitglied, verlangte eine Untersuchung der Neutralitätsverletzungen; Indien beantragte Kontrollfahrten entlang der Zone. Nur die Polen schwiegen.

Unbekümmert um die besorgt-kritischen Kommentare in der Weltpresse gab US-Außenminister Rusk der anderen Seite deutlich zu verstehen, daß die Amerikaner notfalls auch in die Pufferzone und sogar in Nordvietnam eindringen würden.

Indessen beginnt sich die sowjetische Waffenhilfe für Nordvietnam allmählich auszuwirken. Die Verluste der US-Luftwaffe durch Flak- und Raketenbeschuß sind in den letzten Tagen fühlbar angestiegen. Seit Anfang der Luftoffensive, für die etwa 300 Maschinen eingesetzt werden (teils von den drei Flugzeugträgern im südchinesischen Meer, teils von Thailand aus), verloren die USA nach offizieller Lesart mehr als 330 Flugzeuge und eine ungenannte Zahl von Hubschraubern. Nordvietnam bezifferte die Verlustrate auf 1300 Maschinen.

In den USA werden kritische Stimmen laut, die es für sinnlos halten, so viele Flugzeuge für so begrenzte Ziele und ohne erkennbaren militärischen Nutzen zu opfern. (Eine abgeschossene Maschine bedeutet einen Verlust von nahezu einer Million Dollar.)