Zwei der italienischen Solisten allein wären schon eine Reise nach München wert: Giuseppe Taddei in der Titelpartie mit unerschöpflichem Bariton, der auch in extremen Lagen dem Sänger als schlechthin vollkommenes Instrument dient (in Taddeis musikalischer Durchdringung der Partie wird dem Hörer bewußt, was "Stimmentheater" von Verdis Genie ist), und Antonietta Stella, eine denkbar ideale Amelia Grimaldi. Ihr schlackenloser, – erzmusikalisch phrasierender Sopran verbindet die italienische Leuchtkraft der Stimme mit einer Ausdruckstiefe der Empfindung, daß nur das selten erlebte Glück gesangsdramatischer Vollendung zu konstatieren bleibt. Auf dem Wege in diese Spitzenregion befindet sich der noch jugendliche, mit strahlender Höhe begabte, wohlgebildete Tenor von Gianfranco Cecchele (Gabriele Adorno); Spitzengarnitur auch der Bariton Renato Cesare (Paolo) und der Bassist Georgio Tozzi (Fiesco).

Der Regisseur Jean Pierre Ponnelle arrangierte das Spiel der italienischen Gäste gemäß jenen Opernbräuchen, die sie zu Hause gewohnt sind. Johannes Dreher entfaltete Kostümpomp und, dekorierte geschmackvoll Podium und Architekturfassade. Für einen beseligenden Abend Verdischen Gesangstheaters existierten die deutschen Stilprobleme des "Musiktheaters" nicht.

Johannes Jacobi