Die Welt des Orients ist um die skurrile Figur eines mittelalterlichen Potentaten ärmer geworden: Scheich Schakbut bin Sultan bin Said, der Herrscher des Insel- und Wüstenreiches Abu Dhabi und einer der reichsten Männer der Welt (Jahreseinkommen etwa 300 Millionen Mark), wurde nach achtunddreißigjähriger Herrschaft durch einen "Familienrat" abgesetzt und außer Landes verwiesen.

Ganz ohne sanfte Nachhilfe ging es dabei nicht ab: Die Familie hatte vorsorglich die Schutztruppe der Piratenküste, die von britischen Offizieren befehligten Trucial Oman Scouts, ins Land gerufen. Doch Scheich Schakbut kam glimpflich davon – seine vierzehn Vorgänger waren noch samt und sonders umgebracht worden.

Seit langem war der störrische Scheich den Briten, die für Außenpolitik und Verteidigung aufkommen, und allen seinen Nachbarn ein Ärgernis. Er wollte die moderne Zivilisation seinem entlegenen Reich fernhalten. Weder von einer Wirtschaftsunion der Golfstaaten entlang der Piratenküste noch von einer Annäherung an Saudiarabien, das sich auf die Nachfolge der Schutzmacht England vorbereitet, wollte er etwas wissen.

Als die British Petroleum und die Iraq Petroleum Company, ausgestattet mit französischem und holländischem Geld, 1960 anfingen, die riesigen Unterwasserölfelder an den Küsten Abu Dhabis auszubeuten, kam wie ein Wunder aus Tausendundeiner Nacht der Reichtum über das öde Land.

Scheich Schakbur mußte enst lernen, mit Geld umzugehen. Ohnehin als Geizhals verschrien, voller Mißtrauen gegen ausländische Banken, verstaute er in der ersten Zeit seine Goldmünzen in rostigen Keksdosen, die er unterm Bett versteckte. Seine 17 000 Untertanen, ans wie Kirchenmäuse, hielten vergebens ihre Hand auf.

Allen Vorschlägen der Briten, den neuen Reichtum für den Bau von Straßen, Schulen und Krankenhäusern zu verwenden, widerstand er hartnäckig, argwöhnend, die Ausländer könnten davon mehr profitieren als sein Volk. Immerhin hatte er sich im Frühjahr dazu durchgerungen, einen Flugplatz zu bauen, allerdings auch neue Paläste – zwei für sich und zwei für seine Söhne.

Sein Nachfolger, Bruder Said, denkt moderner: Er will das Geld unter die Leute bringen.