Konrad Adenauer hat sich eine seltsame Kumpanei ausgesucht. Gleich jenen Friedensenthusiasten, die geharnischte Resolutionen zum Vietnam-Krieg verfassen und vor amerikanischen Konsulaten demonstrieren, empfahl der Altkanzler dem amerikanischen Präsidenten, er solle nicht auf die Generale hören und seine Truppen aus Vietnam zurückziehen.

Freilich verspricht Adenauer sich vom Ende des Krieges nicht eine Verständigung zwischen Moskau und Washington – das war schon zu Kennedys Zeiten sein Alptraum –, vielmehr ist er der Meinung, die amerikanischen Truppen würden dringend in Europa gebraucht; sie sollen verhindern, daß Frankreich und Deutschland von der Sowjet-Union geschluckt würden.

Daß er Johnsons Vorgänger Kennedy als Urheber der vietnamesischen Kalamitäten bezeichnete und daß er jetzt wieder das Schreckgespenst der Sowjetunion beschwört, die er kürzlich unter die friedliebenden Staaten einordnete, sei nur am Rande erwähnt. Es bleibt indes die erstaunliche Tatsache, daß Adenauer den Amerikanern rät, sich in Asien als "Tauben" zu gebärden und sich in Europa als "Falken" aufzuführen. Da kann man wirklich nur sagen: Nachtigall, ick hör dir trappsen. –el