Die Adig Allgemeine Deutsche Investment-Gesellschaft mbH, München / Düsseldorf, das älteste Unternehmen seiner Art in der Bundesrepublik, legte jetzt die Rechenschaftsberichte seiner Fonds für die Zeit vom 1. Juli 1965 bis zum 30. Juli 1966 vor. Es sind keine stolzen Bilanzen, denn bei sechs von sieben Fonds (Adiropa, Fondra, Adiverba, FondraAdifonds und Fondis) haben sich die Ausgabepreise in der Berichtszeit ermäßigt, auf dem Papier hat also der Investment-Sparer zugesetzt. Daran haben auch die von den Anlageexperten vorgenommenen Änderungen in der Zusammensetzung der Fonds nichts ändern können. Die Verluste konnten nur gemildert werden. Aber offensichtlich ging es bei den Fonds nicht darum, die Verluste eines Jahres möglichst gering zu halten, sondern vor allem die Weichen für die Zukunft zu stellen. Ob richtig, wird man erst zu späterer Zeit beurteilen können.

Der deutsche Investment-Sparer hat auch in den Zeiten der Baisse unverdrossen Zertifikate gekauft. Bei der Adig trat 1965/66 auf diese Weise ein Mittelzufluß von 66,1 (57,4) Millionen Mark ein. Dennoch ist das Vermögen der sieben Fonds geringer geworden. Es stellte sich am Bilanzstichtag auf 600,5 (640,5) Millionen Mark. Besonders zu beachten ist, daß das Interesse für die vier Fonds Fondra, Fondak, Fondis und Adifonds, die sich ausschließlich aus deutschen Wertpapieren zusammensetzen, recht beachtlich war. Die Sparer gehen also davon aus, daß bei einer Besserung des Börsenwetters der Anstieg der deutschen Aktienkurse am kräftigsten sein wird.

Während der deutsche Aktienindex in der Berichtszeit um 11,3 Prozent gesunken ist, ging der Ausgabepreis (unter Einrechnung der 1965 ausgeschütteten Erträge) von Adiropa um 2,38 Prozent zurück, bei Fondra um 5,31 Prozent, Adiverba um 7,11, Fondak 9,94, Adifonds 11,33 und Fondis um 13,01 Prozent. Die Sparer spürten die Baisse aber nicht nur an den Ausgabepreisen, sondern auch bei den Ausschüttungen, die sich etwas ermäßigt haben, weil es nicht mehr im gleichen Umfang wie in den Vorjahren gelungen ist, Kursgewinne zu erzielen, die zur Auffrischung der Ausschüttungen herangezogen werden konnten.

Tröstend fügt aber die Fondsverwaltung hinzu, daß die Ausschüttungen – bezogen auf die Ausgabepreise – "Renditen" zwischen 6,28 bis 7,98 Prozent darstellen. Natürlich handelt es sich hierbei nicht um Renditen üblicher Art, wie sie bei Aktien durch die Dividende oder bei Renten durch die Zinsen gebildet wird. Bei Fonds setzt sich die "Rendite" aus echten Zins- und Dividendenerträgen, aber auch aus Bezugsrechterlösen und realisierten Kursgewinnen zusammen. Die beiden letzteren sind strenggenommen ausgeschüttete Substanz und werden vom Finanzamt auch so behandelt.

Der Aufsichtsratsvorsitzende der Adig, Staatsbankdirektor Dr. Carl Kauffmann, verteidigt diese Art der Ausschüttung, gegen die auch gar nichts einzuwenden ist, zumal sie auch von angesehenen ausländischen Fonds betrieben wird. Ich glaube jedoch, meine verehrten Leser, daß es zu wissen notwendig ist, daß die Ausschüttungen bei den Fonds von den Verwaltungen willkürlich festgesetzt werden können und ein wichtiges Mittel im Wettbewerb der Fonds untereinander darstellen. Die Feststellung, dieser oder jener Fonds ist gut, weil er hohe Erträge verteilt, ist nicht unbedingt zutreffend. Bei der Qualität eines Fonds müssen Entwicklung des Ausgabepreises und Jahresausschüttung immer zusammen betrachtet werden.

Dr. Kauffmann setzte sich anläßlich der Vorlage der Berichte noch mit einem anderen "heißen Eisen" auseinander, nämlich mit der angeblichen Abhängigkeit der Fonds von ihren Gesellschafterbanken. Bei der Adig sind es 23 Institute. Daß es zu Interessenkonflikten zwischen Bank- und Fonds-Interessen kommen kann, sollte nicht bestritten werden, zumal die Anlageexperten der Fonds gleichzeitig Repräsentanten ihrer Banken sind. Es gibt also kein unabhängiges Anlage-Management. Der Vorteil dieser Personalunion liegt in dem niedrigen Spesensatz von 3,2 Prozent gegenüber dem der US-Fonds von durchschnittlich 8 bis 8,5 Prozent.

Je mehr Gesellschafterbanken an einem Fonds beteiligt sind (besonders wenn ihre Interessenlage unterschiedlich gelagert ist), um so weniger besteht die Möglichkeit, daß eine Bank Sonderwünsche zu Lasten der Investment-Sparer verwirklicht. Bei der Adig scheint diese Gefahr tatsächlich gering zu sein. Bei 23 Banken zu einer "Kumpanei" zu gelangen, dürfte in der Praxis schwierig sein.