Alle Hoffnungen sind seit Jahren auf Jugoslawien gerichtet, das sehr früh einen eigenen Weg im östlichen Lager ging. Das jugoslawische Wirtschaftsmodell hat manche liberale Reform in den Nachbarstaaten inspiriert. Als Tito dann kürzlich seinen alten Mitkämpfer Rankovič, den Chef der politischen Polizei, der die weitere wirtschaftliche Liberalisierung zu blockieren versuchte, entmachtete und im ganzen Land die starren Dogmen ausmerzte, da glaubte man, für die Jugoslawen sei jetzt der Zeitpunkt größerer persönlicher Freiheit gekommen.

Auch Mihajlov glaubte dies. Zusammen mit verschiedenen Freunden wollte er eine Zeitschrift gründen: "Der Zweck der Zeitschrift so meinte er, "wird die Schaffung der geistigen und idealistischen Vorbedingungen für die Errichtung der politischen Demokratie in unserer Gesellschaft sein."

Das war das Stichwort für die Regierung, die eben noch Liberalität und Fortschritt verkündet hatte. Sie tat einen Griff in die Requisitenkiste aller Totalitären, stellte fest, daß Mihajlovs Ideen den Tatbestand der "Verbreitung, falscher Gerüchte" erfüllten, der laut Gesetz strafbar ist und befand, "er müsse vor der Volkswut geschützt" – also in Schutzhaft genommen werden.

Für wie gefährdet müssen die Kommunisten ihre ewigen Wahrheiten halten, wenn eine abweichende Meinung strafbar ist. Wie viel freiheitlicher war da Kemal Atatürk, der eines Tages die Zeit für reif hielt, einer Anzahl Abgeordneten zu befehlen, sich im Parlament als Opposition zu konstituieren. Dff