Worauf Pankow mit Recht stolz ist: auf sein modernes Freibad und auf seinen alten Bürgerpark, den 1854 ein Herr Dr. Killisch v.Horn anlegte, der außer dem Parkplan noch eine andere Idee realisierte, die Berliner Börsenzeitung. Das Schild an der Kreuzung Stralsund, Greifswald, Rostock gehört zu Pankow wie die Minol-Tankstelle mit Nachtboxen für 5, 10 und 20 Liter Benzin. Den Schlüssel zu den Boxen mit den Kanistern muß man sich allerdings am Tage abholen und bezahlen. Zu Pankow gehört der Paul-Zobel-Sportplatz, wo "Eintracht Pankow" Fußball spielt, und das rote Plakat am Zaun "II. Eisenbahnmeisterschaft im Schießsport und militärischen Wettkampf".

Zu diesem Stadtteil gehört aber auch das Erschrecken von Günter, dem Pankower, in einer Straße nahe der Sektorengrenze angesichts des Wachtturms: "Der war vor zwei Jahren noch nicht da." Beim Anblick der Männer mit nacktem Oberkörper, die an den "Grenzsicherungsanlagen" weißen Sand in Schiebkarren fortschaffen und auf unsere Bemerkung, daß "bei uns" der Dienst bei Bundeswehr und Grenzschutz nicht zu den Prestigebeschäftigungen zähle, sagt der Pankower: "Berliner stellen sie bei uns nicht an die Mauer, die würden weglaufen."

Der Bezirk Buch liegt weit nordöstlich, weit vom Schuß, schon an der Grenze zwischen Ostberlin und der DDR-Provinz. In Buch: Park und Schlößchen aus dem 18. Jahrhundert, eine der hübschesten Kirchen der Streusandbüchse Brandenburg, und Hospitäler. Eine Geschwulstklinik der Ostdeutschen Akademie der Wissenschaften, eine Tbc-Heilanstalt, ein städtisches Krankenhaus "für Orthopädie und Rehabilitation", eine Anstalt für tausend sieche und alte Menschen.

An der Blankenfelder Chaussee liegt das Barackenäuffanglager für Bundesrepublikflüchtlinge, von denen selten berichtet wird. "Ümma schtehn Westautos davor", sagt Günter. "Ob die was ausgefressen ham bei euch?" Wir sehen einen Mercedes, einen DKW, einen Opel Rekord.

Wo die Chaussee zum Westen abknickt, ist auf der anderen Seite Lübars. "Schtimmt", erinnert sich Günter, "da hab ick als Kind jeschpielt." Pankow nämlich gehört trotz des Image, und ebenso wie die von Eigentümern transatlantischer Ausweispapiere bevölkerten Westberliner Bezirke Dahlem und Zehlendorf immer noch zu Berlin. Es ist ein Stück des von einer skeptischen Mischrasse bewohnten Mittelpunktes Deutschlands. Der Teil einer Stadt, wo der Wahlerfolg der Nazis bei den historischen Reichstagswahlen vom November 1932 erheblich unter dem Reichsdurchschnitt lag.