Mancherlei seelische Schwierigkeiten resultieren einfach daraus, daß es Früh- und Spätentwickler gibt. Der Sohn eines Turnlehrers, berichtete Tanner, war immer der Anführer seiner Klasse gewesen. Plötzlich wuchsen ihm seine Altersgenossen über den Kopf. Er wurde aus seiner Führerrolle herausgestoßen und vermochte dies um so schwieriger zu überwinden, als sein Vater, der ein Frühentwickler gewesen war, wenig Verständnis für das körperliche "Versagen" seines Sohnes aufbrachte.

In diese Phase biologischer Entwicklung, die zu ganz unterschiedlichen Zeitpunkten einsetzt, fällt der Eintritt ins Berufsleben. Dr. M. E. Herford aus Buckinghamshire wandte sich gegen die Tendenz, die Schulpflicht immer weiter zu verlängern, in der an sich löblichen Absicht, auch den Spätentwicklern einen guten Start ins Berufsleben zu geben. Dadurch würden jedoch, warnte Herford, die Schwierigkeiten lediglich in die Schule verlagert.

Je länger die Schulzeit dauere, um so mehr biologisch Erwachsene, die keine besonderen geistigen Interessen haben, müßten die Schulbank drücken. Die Jungen, die unmittelbar nach der Pubertät ihre größte körperliche und schöpferische Leistungsfähigkeit erreicht hätten, seien auch gar nicht daran interessiert, die anspruchslose Schulzeit "zu genießen", wie ihnen mitunter die Eltern empfehlen.

Über die seelische Situation in der Adoleszenz sprach Anna Freud. Die in London lebende, selbst zu Weltruhm gelangte Tochter Sigmund Freuds, wies darauf hin, daß bei jedem Wachstumsschritt ein fein tariertes Gleichgewichtsverhältnis zwischen Individuum und Umwelt gestört werde. Die Kompromisse, die zwischen eigener Persönlichkeit und Umwelt geschlossen werden mußten, seien durch jede Änderung gefährdet.

Der Jugendliche müsse auch seine erwachte Triebaktivität mit der alten Umgebung in Einklang bringen. Das führt zu Konflikten innerhalb der Familie. Der Jugendliche rebelliert gegen die Eltern, ist aber andererseits weiter von ihnen abhängig, nicht nur finanziell. Die Eltern möchte er in eine schwierig auszufüllende Rolle drängen: Mal sollen sie überhaupt nicht vorhanden, gleich darauf wieder ganz für ihn da sein.

Den mit ehrfürchtigem Dauerbeifall aufgenommenen Einführungsbericht ergänzten zahlreiche Redner durch speziellere psychologische Aspekte. Die Forscher durchleuchteten die Verhältnisse zwischen den einzelnen Familienmitgliedern und trugen Beispiele vor für die Spannungen, die aus den verschiedensten Konstellationen innerhalb der Familie resultieren können. Sie diskutierten die Problematik immer weiter verlängerter Ausbildungszeiten mit der daraus resultierenden Abhängigkeit und verwiesen andererseits auf die ungeheuren Summen, die in den westlichen Ländern heute den Teenagern zur Verfügung stehen und die hier zu einem von ganzen Wirtschaftszweigen sorgsam gepflegten Teenager-Kult geführt haben.

Zehn bis 20 Milliarden Dollar geben US-Teenager jährlich aus, schätzten Psychologen des amerikanischen Nationale Institute of Mental Health Service in Bethesda.