Natürlich spielte intensive Aufklärung über Empfängnisverhütung eine wesentliche Rolle bei dem Erfolg. Aber Frau Kaufmann schilderte eindrucksvoll, daß es mit Aufklärung allein nicht getan war. Denn die Mädchen hielten es zunächst für völlig undenkbar, mit ihren Müttern über dieses Problem zu sprechen. Erst allmählich konnte eine Verständigungsbasis zwischen Müttern und Töchtern geschaffen werden, die auch den Babys sehr zugute kam.

Einen wirklich verblüffenden Erfolg teilte Dr. William Adamson aus Rydal im US-Staat Pennsylvania mit. Adamson widmete sich Jungen, die trotz hinreichender Intelligenz in der Oberschule versagten.

Zunächst hatte er versucht, die Schulversager in einer Sonderklasse zu fördern, die von speziell geschulten Lehrern unterrichtet wurde. Der Erfolg war spärlich. Nur vier Jungen konnten nach einiger Zeit in eine normale Schulklasse zurückkehren.

Bei einem zweiten Versuch kümmerte sich Adamson überhaupt nicht um die Kinder, sondern nur um die Eltern. In Zeitabständen von mindestens einem Monat lud er zwölf Elternpaare zu Ausspracheabenden zu sich. Unter seiner behutsamen Leitung unterhielten sie sich über ihre Söhne. Allmählich wurde bei diesen Abenden das Familienleben durchleuchtet. Dabei kam heraus, daß die Eltern der Schulversager ihre Erziehungsprinzipien noch an einem längst zurückliegenden Alter ihrer Kinder orientierten. Adamson führte sie in ihre Rolle als Eltern eines Teenagers ein.

Im Laufe von zwei Jahren trafen sich die Eltern insgesamt dreizehnmal. In dieser Zeit gewannen die Eltern beträchtlich engeren Kontakt zu ihren Söhnen, und im gleichen Maße besserten sich die Schulleistungen. Zwei Drittel der früheren Schulversager zeigten nun normale Leistungen.

Um diesen großen Erfolg zu erzielen, betonte Adamson, war nur wenig Zeit erforderlich. Dreizehnmal eineinhalb Stunden – insgesamt nicht einmal 20 Stunden – genügten, dem Leben von acht jungen Menschen eine entscheidende Wende zu geben. Erwin Lausch