Es ist begrüßenswert, wenn diese Frage gestellt wird: "Muß ein Lehrer Christ sein?" Es ist bedauernswert, wenn diese Frage nicht in ihrem ganzen und eigentlichen Horizont und dann noch mit mangelnder Sachlichkeit angegangen wird. Letzteres ist aber in dem Aufsatz von Horst Wetterling leider der Fall. Wenn ein Wissenschaftler sich zu einer Frage seines Fachgebietes äußert, dann sollte man erwarten, daß seine Äußerung – auch wenn sie im Feuilleton einer Zeitung erscheint – geprägt und bestimmt ist durch die elementaren Regeln einer wissenschaftlichen Diskussion.

Sollte Professor Wetterling wirklich nicht wissen, daß unsere Verfassungen, Schulgesetze und Ministerialerlasse von der Bevölkerung der Bundesländer geschaffen oder zumindest bestätigt worden sind? Vorausgesetzt, ein Teil dieser Bevölkerung – wer wagt den Prozentsatz genau zu nennen? – bezeugte den christlichen Glauben nicht mehr oder verstehe ihn anders, dann kann dieser Teil durchaus sein Recht einfordern.

Und es ist nicht einmal ein "Kabarett-Sketch" (Wetterling), sondern ganz einfach schlechter Stil, die Biologie des Regenwurmes, die Dampfmaschine oder den Knieumschwung am Reck als Beispiele zu zitieren, um daraus die Unmöglichkeit einer speziell katholischen oder evangelischen Gestaltung des Unterrichts zu folgern.

Wetterlings Alternative sieht so aus: Der Lehrer müsse "alles daransetzen, Kinder anzuhalten, sich der Wahrheit zuzuwenden, die in der wissenschaftlichen Erkenntnis bereitliegt. Diese Erkenntnis hat nämlich den Vorzug: Sie birdet und verbindet die Menschen, sofern sie bereit sind, sich ihres Verstandes zu bedienen und Einsichten zu vollziehen". Auch wer die wissenschaftstheoretische Diskussion der letzten siebzig Jahre nur als Zaungast verfolgt hat, weiß, daß der Glaube an die Voraussetzungslosigkeit der Wissenschaft naiv ist. Er wird nicht zuletzt von jenen Wissenschaftlern zu Tode strapaziert, die von ihren eigenen faustdicken Voraussetzungen geschickt abzulenken versuchen, indem sie ihren Antipoden ständig deren Voraussetzungen um die Ohren schlagen.

Gewiß ist Glauben ein personaler Akt. Im christlichen Glaubensverständnis ist die in der Ofenbarung erfolgende Kundgabe Gottes an die Person des Menschen aber derart, daß sie alle Dimensionen des Menschen anruft und auf Gott hin verfügt, und das so, daß diese Verfügung des Menschen auf Gott hin das weitere Leben des Menschen beansprucht; und das hat sehr wohl etwas mit einer "geistigen Haltung" zu tun.

Nach Wetterling läßt der Versuch, "missio" und "confessio durch die institutio zu sichern", die Erziehung sogleich umschlagen: "Statt Heranwachsende in die Freiheit des Christenmenschen zu rufen, werden sie in das Joch von Satzungen getrieben ..." – das ist mehr als ein ungeschickter Kurzschluß, es ist ein die Voraussetzungen des Verfassers offenbarender Schuß ins eigene Feld; bei aller berechtigten und notwendigen Existentialisierung unseres Denkens kann man doch wirklich nicht die Möglichkeit und die innere Notwendigkeit institutioneller Konsequenzen aus dem Sendungsauftrage Christi simplifizierend abtun. Die Ausführungen über "Klerikalismus" und "geistliche Schulaufsicht" erwecken den Eindruck, als hätten die Kirchen das Schulwesen nicht initiiert oder gefördert, sondern usurpiert! Warum hat eigentlich etwa der preußische Staat die Geistlichen beider Kirchen zur Übernahme der Schulaufsicht gedrängt?

"Muß ein Lehrer Christ sein?" Wo christlich erzogen werden soll, muß ja wohl der Lehrende versuchen, zu realisieren, was er kündet und lehrt. Ob es nun ein "christliches Erziehen" oder ein Erziehen durch Christen gibt und wie es aussieht – jedenfalls ist es sicherlich kein Eintreiben in das Joch von Satzungen – steht hier zunächst gar nicht zur Debatte. Es geht im Grunde um dies: Unterstellen wir, es gäbe in unserem Volke verschiedene Überzeugungen von Erziehung und Schule, dann gilt doch folgendes: