Helmut Heiber: Die Republik von Weimar, dtv Weltgeschichte, Band 3, 282 Seiten, kart., 2,80 DM

Die Geschichte des Weimarer Staates wird hier von einem jüngeren Historiker erzählt, farbig, anschaulich, sehr lebendig. Bei einem Mitarbeiter des Münchener Instituts für Zeitgeschichte versteht es sich von selbst, daß die Darstellung wissenschaftlich begründet ist.

Wie das natürlich ist, wird nicht jeder Leser dem Verfasser bei seinen Wertungen folgen. Im ganzen erscheint bei dem Gemälde von Irrungen und Wirrungen und ruhmlosem Untergang die größte Leistung des Weimarer Staates, der außenpolitische Aufstieg, zu kurz behandelt.

Der Verfasser verfügt nicht nur über Sachkunde, sondern auch über Temperament und Geist, und das macht sein Buch angenehm zu lesen. Zuweilen stutzt man über soviel Munterkeit des Stils. Heiber erzählt etwa, wie im Januar 1933 Schleichers Feinde sich regten, und er erinnert an den Sommer des Vorjahres: "Damals hatte die Agrarlobby dem wankenden Brüning den Fangstoß versetzt – gewiß nicht, um nunmehr einen noch übleren ‚Agrarbolschewismus‘ dafür einzuhandeln. Schleicher erging’ es jetzt nicht viel besser, indem sich in den entscheidenden Tagen des Januar die erboste Reichslandbundführung in das ‚Palais‘ auf den Weg machte und dem Ehrenagrarier (gemeint ist der Reichspräsident) unter gräßlichem Stöhnen in den Ohren lag..." Ob einem solche Wendungen in einem wissenschaftlichen Buch gefallen, ist wohl Geschmackssache.

Aber kein Mißverständnis: das war eine Randbemerkung. Im ganzen gesehen ist das Buch ein geglückter Versuch, die Geschichte von gestern der Generation von heute verständlich zu machen.

H. H.