Wie ein Helm und ein paar gekreuzte Schwerter die Gesellschaft des Barock an alle Götter und ihre Geschichten erinnerten und nicht ein Herr von Hinz die Komtesse Kunz küßte, sondern ein Kriegsgott die Göttin der Keuschheit, erleben Hinz und Kunz heute, wenn sie sich knutschen, das Zeittempo oder irgend etwas aus der Kollektion von zehn Dutzend neuer Mustervorstellungen, die nun freilich nicht mehr einen über Taxusalleen schwebenden Olymp bilden, sondern das ganze moderne Durcheinander selbst. Robert Musil

Ehrengäste in Rom

Gemeinsam mit den Kultusministern der Länder hat das Bundesinnenministerium neun Repräsentanten deutscher Kultur ausgewählt, die in den kommenden Monaten Ehrengäste der Deutschen Akademie Villa Massimo in Rom sein werden: die Maler Isidor Aschheim (Jerusalem, früher Berlin) und Willem Grimm (Hamburg), den Bildhauer Hermann Geibel (Darmstadt), die Komponisten Paul Groß (Stuttgart), Ludwig Roselius (Bremen) und Reinhard Schwarz-Schilling (Berlin), die Schriftsteller Gerhard Storz (Leonberg) und Max Tau (Oslo, früher Berlin) und den Theaterwissenschaftler Hanns Braun (München). Angemessene Gesellschaft für die Stipendiaten?

Zirkus-Politik

Ende August kommt der Moskauer Staatszirkus zu einer dreimonatigen Tournee in die Bundesrepublik. Als Gegenleistung wird im Mai 1967 das Orchester Hazy Osterwald in die Sowjetunion fahren. Nach dem Ärger um das Bolschoi-Ballett, dem 1964 die Aufenthaltsgenehmigungen entzogen worden waren, als es nicht in Westberlin auftreten wollte, ist dies ein hoffnungsvoller Auftakt für einen neuen Austausch auf dem Gebiet der Unterhaltung. Die Reise des Zirkus durch Deutschland wird sicher ein Erfolg, denn sogar Bundeskanzler Erhard will die Akrobaten bewundern – "wenn die Politik dies erlaubt".

Africa Addio

Nach heftigen Protesten und Demonstrationen und dem Antrag auf Strafverfolgung gegen "Unbekannt", den ein Studentenkomitee gestellt hatte, wurde der Film "Africa Addio" (siehe DIE ZEIT Nr. 26) jetzt in Berlin abgesetzt. Er war am Kurfürstendamm nur drei Tage gelaufen, soll aber in zwei Außenbezirken noch einmal gezeigt werden, denn der Berliner Senat möchte sich einer wie auch immer gearteten Filmzensur nicht beugen. Er bedachte wohl nicht, daß mit den Demonstrationen gegen "Africa Addio" auch die Freigabe des Films durch die Freiwillige Filmselbstkontrolle angegriffen werden soll und die Entscheidung der Filmbewertungsstelle, die den Film als "wertvoll" bezeichnet und damit durch Steuervergünstigungen subventioniert hatte.