Der Auslandstourismus ist zu einer Massenbewegung geworden. Er wird in dem Jahresbericht des Fremden Verkehrsausschusses der OECD-Mitgliedstaaten als eines der herausragenden Kennzeichen der "Freizeit-Ära" genannt, die sich in der westlichen Welt anbahnt. 1965 wurden in der ganzen Welt rund 115 Millionen ausländische Touristen gezählt, die in die 21 Mitgliedstaaten der OECD reisten: 75 Millionen Ausländer besuchten europäische Länder, 15 Millionen Nordamerika und etwa 300 000 Japan. Zusammen sind das etwa 80 von je 100 Auslandstouristen. Sie gaben 36 Milliarden Mark aus, das sind fast 6 Prozent ihrer Exporte.

Für die Nichtmitgliedstaaten der OECD werden die Fremdenverkehrseinnahmen 1965 mit 10 Milliarden Mark angegeben. 5,2 Milliarden nahmen davon die lateinamerikanischen Länder und die im karibischen Raum ein, 2 Milliarden Mark die Afrikaner und der Mittlere Osten. Über die Hälfte dieser Summe entfällt auf Ausgaben von Touristen aus den OECD-Mitglied-Staaten.

Insgesamt sind das fast 50 Milliarden Mark Deviseneinnahmen durch Tourismus. (Im Jahr 1964 waren es 40 Milliarden Mark.) Das entspricht 6 Prozent der gesamten Ausfuhr. In diesem Betrag sind die Einnahmen aus der Beförderung von Auslandsreisenden noch nicht einmal enthalten.

Während die jährliche Wachstumsrate beim allgemeinen Konsum in den vergangenen zehn Jahren um 7 Prozent stieg, lag sie beim internationalen Tourismus bei 12 Prozent. Der Fremdenverkehr gehört in der ganzen Welt zu den am raschesten expandierenden Wirtschaftszweigen.

Schon jetzt deuten sich für 1967 weltweite Maßnahmen an, die diese Entwicklung weiter begünstigen sollen. Das Jahr 1967 wird auf Anregung der Internationalen Union Amtlicher Reisebüros (UIOOT) von den Vereinten Nationen als "Jahr des Welttourismus" proklamiert und alle Regierungen der Welt werden zu aktiver Mitarbeit aufgefordert. Millionen von Urlaubern aller Nationalitäten sollen bei Antritt ihres Auslandsurlaubs im kommenden Jahr angenehme Überraschungen erleben: Visa, Zollkontrollen und andere verwaltungsmäßige Maßnahmen sollen auch außerhalb Europas großzügiger behandelt werden als bisher.

Daß der Tourismus aus der Sphäre des privaten Geschäftes und der von den Regierungen geschätzten Devisenquelle in das Interessengebiet der Vereinten Nationen hineinwächst und ein politischer Faktor wird, ist durch die Kombination materieller und ideeller Zielsetzungen bedingt.

Zu den materiellen Vorteilen des Tourismus wird, laut OECD, gezählt, daß der Fremdenverkehr eine Exportindustrie ist, die nicht so hohe Investitionen erfordert wie andere Wirtschaftssektoren und mit am raschesten Gewinn abwirft. Die Fremdenverkehrsindustrie führe der Volkswirtschaft nicht nur beträchtliche Devisenbeträge zu, sondern sie biete auch neue Beschäftigungsmöglichkeiten, gestatte die Differenzierung der Wirtschaftstätigkeit und trage erheblich zum Steueraufkommen bei.