Von Doris Hasenfratz

Zum erstenmal nach dem Krieg fand im Winter 1920 wieder ein Kostümfest im Berliner Staatlichen Kunstgewerbemuseum statt: das Fest des Stakugenu. Von allen Festen in Berlin waren diese Maskenbälle früher am berühmtesten gewesen. Monatelang vorher sprach man schon davon.

Ich ging auch zu diesem Fest allein. Eine afrikanische Bekannte hatte mir ein echtes Kostüm geliehen: einen braunen Lederschurz mit eingestickten blauen Perlen; Hals- und Armbänder und die Ohrringe waren echt afrikanisch. Ich trug eine schwarze Perücke, die Haut hatte ich mir braun schminken lassen.

Nach Mitternacht beschloß ich, heimzugehen, weil ich mich doch mehr langweilte als amüsierte. Da kam eine hagere Gestalt auf mich zu, in einer braunen Mönchskutte. Mit ziemlich leiser, etwas rauher Stimme fragte mich der Mönch, ob ich mit ihm tanzen wollte. Es sei ein Wagnis, meinte er, er könne es nämlich nicht besonders gut.

Er tanzte wirklich eher einfallsreich. Nachdem er mir oft genug auf meine nackten Füße getreten hatte, fragte ich, ob wir uns nicht lieber setzen und miteinander reden wollten. Er sah nicht eben begütert aus, so daß das Niedersitzen an einem Tischchen, an dem man gezwungen war, etwas zu "konsumieren", nicht in Frage kam. Wir strebten deshalb den Korridoren zu und entdeckten in der Tat noch eine unbesetzte Ecke.

Nun stellte er sich, wie nebenbei, vor: Brecht. Und er sagte, daß ihm mein Kostüm von allen, die er hier gesehen habe, am besten gefalle, die übrigen seien doch schäbig.

Dann begann er, mir Geschichten zu erzählen, eine nach der anderen, in einer süddeutschen Mundart. An den Inhalt der Geschichten vermag ich mich nicht zu erinnern.