Von Hans Sehwab-Felisdi

Im nordrhein-westfälischen Wahlkampf hat Ludwig Erhard den „Gammlern“ eins ausgewischt. „Solange ich regiere“, verkündete der Bundeskanzler, „werde ich alles tun, um dieses Unwesen zu zerstören.“

Wem die öffentlich geführte Sprache nicht gleichgültig ist und wer ein geschärftes Ohr für sie besitzt, den mußte dieser markige Satz ungleich mehr erschrecken als seinerzeit die „ganz kleinen Pinscher“, die „Banausen“ oder die „Nichtskönner“.

Niemand ist verpflichtet, die Vokabel „Unwesen“ nur auf ein unerwünschtes Verhalten zu beziehen. Sprachgebrauch und Logik erlauben es vielmehr, in ihr ein pars pro toto zu sehen, das auch auf die Person selbst übergreifen kann, auf das ein Unwesen treibende Wesen. Es wäre ein leichtes, Erhard weit Schlimmeres zu unterschieben, als seine Worte ohnehin erkennen lassen.

Nur stimmt die extreme Deutung dessen, was Erhard gesagt hat, natürlich nicht. Niemals wird er ausführen oder ausführen lassen, was seine Ankündigung vermuten lassen könnte. Der grantige Franke mag allerlei sein: egozentrisch, sendungsbewußt, daher auch nicht ohne autoritäre Züge. Ein „Zerstörer“ menschlichen Wesens ist er ganz gewiß nicht. Auch seine Äußerungen, so grotesk, kleinbürgerlich und blamabel sie sein mögen, dürfen, wie jede andere, nicht losgelöst von ihrem geschichtlichen und persönlichen Hintergrund und Zusammenhang interpretiert werden.

Das Beispiel soll deutlich machen, wo die Gefahren einer ins Kraut schießenden Vulgarisierung der ebenso ernstzunehmenden wie schwer zu handhabenden Semantik liegen. Da ihre Grundbegriffe, wie Harald Weinreich in seiner brillanten, preisgekrönten Arbeit „Linguistik der Lüge“ (Verlag Lambert Schneider, Heidelberg; 80 Seiten, 5,80 DM) schreibt, „Bedeutung und Meinung“ seien, alles sich um diese beiden Pole zu gruppieren habe, und „nur was sich zugleich auf diese beiden Pole bezieht, den Namen Semantik verdient“, leuchtet es ein, daß die Anwendung ihrer Methoden auf eine vergangene Epoche allemal leichter fällt als auf eine gegenwärtige. Welche Zusammenhänge, deren Kenntnis zur Interpretation von „Bedeutung und Meinung“ unerläßlich ist, erschlössen sich nicht besser und gründlicher im zeitlichen Abstand?

Kritik an den sprachlichen Phänomenen der Gegenwart, die sich auch in der Zukunft behauptet, ist daher nicht ohne Grund äußerst selten. Dennoch ist sie möglich. Ein bedeutendes Beispiel hierfür ist das Buch von