Von Will Tremper

Zum zweitenmal geben wir hier Will Tremper das Wort. In der ZEIT Nr. 30/1966 schilderte er die Praktiken der Verleiher, diesmal wendet er sich den Produzenten zu. Will Tremper ist kein Außenstehender, seine Kontakte zur deutschen Filmindustrie sind professioneller Art: Er hat seit 1956 zu drei Filmen die Drehbücher verfaßt, von 1961 bis 1966 hat er vier eigene Filme inszeniert und teilweise auch produziert. Mit seinem vierten Film, mit "Playgirl", den er unter abenteuerlichen Umständen produzierte, ist er auch unter die Verleiher gegangen: Seit ein paar Wochen vermietet er den Film, den keine der etablierten Verleihfirmen haben wollte, auf eigene Faust und mit beträchtlichem Gewinn an die Theaterbesitzer. Seinem langjährigen Umgang mit der deutschen Filmindustrie verdankt Tremper die intime Kenntnis hiesiger Verleih- und Produktionsunsitten, die es verdienen, einmal ans Licht geholt zu werden, weil sie mehr als die Filme, die dabei entstehen, zeigen, wohin es mit dem alten deutschen Film gekommen ist. Wir werden noch weitere Berichte Trempers publizieren.

In dem deutschen Kriminalfilm "Vier Schlüssel" spielt Hanns Lothar einen betrügerischen Bankbuchhalter, dem es mit geschickten Manipulationen gelingt, ein paar Mark für seine Wettleidenschaft abzuzweigen.

Die Filmfirma, die den Krimi herstellte, beschäftigte einen Buchhalter, der sich jedoch nicht den Kopf besonders zu zerbrechen brauchte, um ein kleines Vermögen auf die Seite zu bringen – er war ja beim Film, und das hieß: Er brauchte, wann immer ihn die Spielbank in Travemünde lockte, seine eigenhändig geschriebenen Kassenanweisungen nur dem Verantwortlichen für die Produktion vorzulegen, um insgesamt 170 000 DM ordentlich gegengezeichnet zu erhalten, die er in die private Tasche steckte.

Keiner fragte ihn je nach dem Verwendungszweck des Geldes, wie ihn auch keiner nach seiner buchhalterischen Qualifikation gefragt hatte, als er vom einen zum anderen Augenblick bei der Filmgesellschaft angestellt worden war – dreimal einschlägig vorbestraft.

Bei der branchenüblich-sorglosen Produktionsfirma handelte es sich um den "renommierten Atlas-Verleih", der im Augenblick, wie sein Chef Hanns Eckelkamp während der Berliner Filmfestspiele bekanntgab, in finanziellen Schwierigkeiten steckt: 900 000 Mark sind dem Unternehmen, sozusagen über Nacht, verlorengegangen, "aus heiterem Himmel", wie man hört. Ein unschönes Ereignis, wenngleich in der Filmbranche kein seltenes.

Doch ist der leichtfertige Umgang mit großen Summen allein noch kein Kriterium der Krise, er ist nur der Quell, aus dem sich all die Unzulänglichkeiten dieser Branche speisen.