"Ich komme aus Cesena und betreue als italienischer Priester seit zehn Jahren meine Landsleute in Deutschland. Ich leite die Redaktion des CORRIERE D’ITALIE (einer Zeitung für Italiener in Deutschland) und gebe einen Nachrichtendienst – EPI-PRESS – für die Angelegenheiten der Italiener in Deutschland heraus. Sie können sich denken, daß ich mit vielen Deutschen zusammenkomme. Wie komme ich mit ihnen aus?

Die zehn Jahre in Deutschland waren für mich aufschlußreich und erfreulich. Ich traf und treffe auf viel Verständnis und Entgegenkommen, bei Behörden, Verbänden – aber auch bei dem einzelnen. So finde ich immer wieder hilfsbereite Leute, die mir durch persönlichen, uneigennützigen Einsatz die Arbeit erleichtern. Ein Grafiker aus Frankfurt entwarf kostenlos Plakate. Eine Gruppe von Frauen erklärte sich zu Krankenbesuchen bereit. Eine alte Frau sprach mich einmal auf der Straße an: "Sind Sie der Pfarrer der Italiener?" Sie wollte helfen und gab mir eine kleine Geldspende. Es war der erste Betrag für die Ausstattung unseres neuen Gemeindehauses.

Mag das alles auch als Kleinigkeit erscheinen: Wenn man aber bedenkt, wie gerade diese und andere Hilfe, die dauernd angeboten wird, unser Leben und Wirken erheben, begreift man, welche große Bedeutung solche kleinen Freundlichkeiten haben. Das Gemeindehaus allerdings ist ein großes und wertvolles Projekt.

Aus- und Anbau dieses Hauses übernimmt der deutsche Bischof aus Limburg, der uns auch Haus und Grundstück zum Geschenk gemacht hat. Von vielen am Bau beteiligten Firmen und von mancher anderen Seite erhalten wir großzügige Hilfe und Unterstützung.

Wenn man in Deutschland lebt, lernt man unsere Nachbarn erst richtig kennen. Und schätzen. Sie haben viele wertvolle Tugenden. Manches haben sie uns, manches haben wir ihnen voraus. Wir sollten voneinander lernen. Zum Vorteil für beide Seiten!"