Auf unserem Globus gibt es seit neuestem einen Krieg weniger. Der Konflikt zwischen Indonesien und Malaysia wurde von beiden Regierungen bei einem feierlichen Akt in Djakarta formell beendet.

Freilich erschien der Friede, erschien das Ende der mehr als dreijährigen "Konfrontation" zwischen den beiden südostasiatischen Staaten im letzten Augenblick noch einmal bedroht. In einer Rede, die – wie üblich – von rhetorischem Feuerwerk funkelte, hatte Achmed Sukarno, der offiziell schließlich noch immer indonesischer Staatspräsident ist, erklärt, die Konfrontation gegen Malaysia werde weitergehen – mit aller Entschlossenheit und Härte. Sukarno tat alles, um den neuen Herren in Djakarta einen Strich durch ihr politisches Konzept zu machen.

Wenn es aber noch eines Testfalls bedurfte, um deutlich zu machen, wer heute auf dem Archipel der dreitausend Inseln wirklich regiert, so wurde jetzt aller Zweifel getilgt: Sukarno kann sich nicht mehr durchsetzen. Der Friede mit Malaysia ist beschlossene Sache. Er gehört zu jener Außenpolitik der Vernunft, die vom Regime des Generals Suharto eingeleitet worden ist. Zu ihr gehört auch, daß Indonesien im Herbst in die Vereinten Nationen zurückkehren will.

Der Kleinkrieg gegen den Nachbarn im Norden, gegen den "Retorten-Staat neokolonialistischer Prägung" mag – und dies war ja das alte Rezept Sukarnos – dem inneren Zusammenhalt Indonesiens gedient haben, aber er hat andererseits zum wirtschaftlichen Ruin des Landes beigetragen und viel außenpolitischen Schaden gestiftet. So blieb Suhartos Regierung nichts anderes übrig, als die unselige Konfrontation gegen Malaysia so schnell wie möglich abzubrechen.

Indonesiens Wirtschaft ist in einer katastrophalen Situation. Die Geldentwertung schreitet rapide voran, die Exporte gehen zurück, das Geld reicht nicht einmal für die lebensnotwendigen Einfuhren. Menschen leiden Hunger in einem Land, in dem ein Vielfaches von dem gedeihen könnte, was gegessen wird. Eines aber war seit langem klar: Auf neue Kredite aus der westlichen Welt – Peking hat kaum je etwas gegeben, und Moskau gab nur Waffen – konnte Djakarta erst nach dem Abbruch seiner Konfrontationspolitik rechnen.

Was die umstrittenen malaysischen Gebiete in Nordborneo anbetrifft, die Sukarno ursprünglich für Indonesien beansprucht hatte, so ist jetzt verabredet worden, daß die Bevölkerung von Sabah und Sarawak in einer allgemeinen Wahl darüber entscheiden soll, ob sie weiterhin in der malaysischen Föderation bleiben will. Kaum jemand zweifelt daran, daß ein überwältigendes Ja herauskommen wird. Aber immerhin hat Indonesien das Gesicht gewahrt. Djakarta kann jetzt sagen, daß hierdurch nachgeholt wird, was bei der Gründung Malaysias vor drei Jahren versäumt worden ist. Und in seiner großen Rede zum indonesischen Unabhängigkeitstag hat Sukarno noch ein weiteres getan: Erst nach diesen Wahlen, so erklärte er, werde sein Land Malaysia diplomatisch anerkennen.

Das Ende des Konfliktes bedeutet nun zugleich, daß Malaysias Schutzmacht Großbritannien seiner gravierendsten Verpflichtung "Last of Suez" entbunden wird. Fast 10 000 der bisher in Malaysia und Singapur stationierten britischen Soldaten sollen noch in diesem Jahr nach Europa zurückkehren – was wahrscheinlich, da es in England an Kasernen fehlt, die geplante Reduzierung der Rheinarmee verzögern wird.