Wer auch immer an der Misere des Kapitalmarktes schuld sein mag, der Bund ist es jedenfalls nicht. Er wäscht seine (öffentlichen) Hände in Unschuld, wenn man der von Bundeskanzler Erhard herausgegebenen Wochenschrift Das Wirtschaftsbild glaubt. Danach nämlich tilgen Bund, Bahn und Post in diesem Jahr bereits 600 Millionen Mark mehr, als sie am Kapitalmarkt aufnehmen. Sie seien demnach nicht für das Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage verantwortlich.

Allerdings verschweigt Erhards Hausblättchen, daß der Bund seine Wünsche keineswegs freiwillig im Zaum gehalten hat. Der Markt erzwang den Verzicht auf die Auflegung von Anleihen. In den Haushaltsansätzen wurde noch ein ganz anderes Bild gezeichnet: der Bund wollte sich mit einigen hundert Millionen Mark über den Kapitalmarkt finanzieren.

Konjunkturpolitisch wäre zudem eine Zurückhaltung nur dann wirksam, wenn auch die Ausgaben der öffentlichen Hand zurückgingen. Seit Mai dieses Jahres aber steht der Bund ununterbrochen bei der Bundesbank in der Kreide, die nicht zuletzt wegen der disziplinlosen Ausgabenpolitik des Bundes zu den auch den Kapitalmarkt treffenden Restriktionsmaßnahmen greifen mußte. Anfang dieses Monats belief sich der Bundesbankkredit an Bonn auf 1,5 Milliarden Mark. Zum gleichen Zeitpunkt des Vorjahres waren es erst 900 Millionen, während im August 1964 der Bund noch auf eine Kreditaufnahme in Frankfurt verzichten konnte. mh