Die Militärs im Irak waren bislang im Putschen erfolgreicher als im Regieren. Auch für den neuen Premierminister, Ex-General Naji Talib, sind die Auspizien nicht sehr günstig. Sein ziviler Vorgänger Bazzaz hatte es in den zehn Monaten seiner Amtszeit immerhin geschafft, das Vertrauen der Geschäftswelt zu gewinnen, die mißtrauischen Nachbarn im Norden und Osten (Türkei und Persien) zu besänftigen und einen Waffenstillstand mit den Kurden zu schließen.

Talib jedoch holte sich schon nach einer Woche bei den Kurden einen Korb. Die drei Minister kurdischer Herkunft, die er in sein Kabinett aufnahm, wurden von den Partisanen General Mustafa Barzanis nicht als repräsentativ angesehen, da sie im Verdacht stehen, die Kurden politisch spalten zu wollen. Ehe sich Barzanis Krieger nicht überzeugt haben, daß es die Militärregierung ebenso ernst meint wie das zivile Kabinett Bazzaz, wollen sie ihre Waffen nicht niederlegen. Schon beginnen sie über Verletzungen des Waffenstillstandes zu klagen.

Einen neuen Krieg kann sich aber der Irak angesichts des großen Defizits im Staatshaushalt kaum leisten, es sei denn, das Land begibt sich in die völlige finanzielle (und damit politische) Abhängigkeit von der Sowjetunion.

Ebenso wie zu Moskau will Talib auch die Beziehungen zu Ankara und Teheran noch freundlicher gestalten als Bazzaz. Wie er allerdings die Freundschaft mit dem Schah von Persien pflegen will, ohne zugleich Nasser und seinem Anhang zu nahe zu treten, bleibt vorerst sein Geheimnis.