Daß sich die Folgen der Bundesbankrestriktionen auch bei solide fundierten Unternehmen bemerkbar machen, zeigt das Beispiel der Phoenix Gummiwerke AG, Hamburg-Harburg, an der Firestone (USA) und die Münchener Rückversicherungsgesellschaft je mit einem Anteil von 25 Prozent beteiligt sind. Die Kunden der Gesellschaft, die bisher ihre Lieferantenverpflichtungen vielfach mit Skontoabzug reguliert haben, verzögern neuerdings ihre Zahlungen, was sich bei Phoenix in einer Erhöhung der Außenstände niederschlägt.

Die wachsende Bindung flüssiger Mittel im Umlaufvermögen hat bei Phoenix zu einer Oberprüfung der Investitionsvorhaben geführt. Sie sollten – wie auf der vorjährigen Hauptversammlung angekündigt worden war – auf 30 Millionen Mark jährlich gesteigert werden. Mit Rücksicht auf die Kapitalmarktlage will man sich aber vorübergehend "Zurückhaltung" auferlegen, praktisch soll "nur" im bisherigen Umfang weiter investiert werden.

Phoenix-Gummi ist in der glücklichen Lage, über eine im Vergleich zum Aktienkapital immer noch hervorragende Ertragskraft zu verfügen. Sie reichte nicht nur zur Ausschüttung einer unveränderten Dividende von 16 Prozent, sondern auch zu einer Dotierung der Rücklagen mit 6,25 Millionen. Mit 50 Millionen erreichen sie genau die Höhe des Aktienkapitals, nachdem vorher die Rücklage für die Vermögensabgabe von 6,75 Millionen auf Verbindlichkeiten umgebucht wurde, um den optischen Eindruck "zu hoher Rücklagen" zu vermeiden. Auf alle Fälle, so sagte der Aufsichtsratsvorsitzende Hermann J. Abs auf der Hauptversammlung, wird bei Phoenix eine Kapitalerhöhung auch 1967 nicht nötig sein.

Die beachtliche Ertragskraft der Gesellschaft ist nicht zuletzt die Folge einer konsequenten Geschäftspolitik, die, wie der Vorstandsvorsitzende Karl Fr. Peters erläuterte, nicht auf eine Umsatzausweitung um jeden Preis abgestellt ist, sondern in der die Rentabilität Vorrang hat. Weil sie bei einer Reihe von Konsumartikeln heute nicht mehr gegeben ist, werden sie wahrscheinlich schon bald aus dem Fabrikationsprogramm verschwinden. Damit werden nicht nur Kapazitäten für andere Produkte, sondern vor allem auch Arbeitskräfte frei werden, die sich woanders nutzbringender einsetzen lassen. K. W.