Auf dem VII. Internationalen Ernährungskongreß in Hamburg ist viel davon die Rede gewesen, daß – trotz der "Bevölkerungsexplosion" – die Menschheit auskömmlich ernährt werden könne: bei Nutzung aller technischen Möglichkeiten nämlich. Besonders ist auf die "unerschöpflichen Reserven" der Weltmeere hingewiesen worden.

Die Ozeanographen freilich urteilen anders. "In zehn Jahren", so hat Dr. Cushing, der Leiter der Fischerei-Station Lowestoft, gesagt, "wird der Bau großer Fangschiffe bereits nicht mehr lohnend sein." Denn nach der Verdoppelung der Fänge in der Hochseefischerei – auf 50 Millionen Tonnen jährlich im Laufe der letzten zwölf Jahre – sei allenfalls noch eine weitere Verdoppelung möglich: ein "Mehr" würde dann zur Erschöpfung der Fischgründe führen.

Davon abgesehen: Es erfordert erhebliche Kosten, die "Früchte des Meeres" zu gewinnen, zu konservieren und die verbrauchsfertige Ware in die Hungergebiete zu verbringen. Solange es der Bevölkerung dort an Einkommen fehlt, so daß also keine kostendeckenden Preise für die Fischereiprodukte gezahlt werden können, so lange ist das "technisch Mögliche" eben leider nicht wirtschaftlich realisierbar. Oder, um es mit den Worten des Bundespräsidenten Lübke zu sagen: Vordringlich ist die Beseitigung der Arbeitslosigkeit in den Hungergebieten, "um ausreichende Kaufkraft für das tägliche Brot zu schaffen".

e. t.